lichste Sendung gerade dieses erkennenden Geistes ist.Die nahen Beziehungen zwischen Literatur und Psy-choanalyse sind beiden Teilen seit längerem bewußtgeworden. Das Festliche dieser Stunde aber liegt,wenigstens in meinen Augen und für mein Gefühl,in der wohl zum ersten Male sich ereignenden öffent-lichen Begegnung der beiden Sphären, in der Mani-festation jenes Bewußtseins, dem demonstrativen Be-kenntnis zu ihm.
Ich sagte, die Zusammenhänge, die tiefreichendenSympathien seien beiden Teilen lange Zeit un-bekannt geblieben. Und wirklich weiß man ja, daßder Geist, den zu ehren uns angelegen ist, SigmundFreud, der Begründer der Psychoanalyse als Thera-peutik und allgemeiner Forschungsmethode, den har-ten Weg seiner Erkenntnisse ganz allein, ganz selb-ständig, ganz nur als Arzt und Naturforscher gegangenist, ohne der Trost- und Stärkungsmittel kundig zusein, die die große Literatur für ihn bereit gehaltenhätte. Er hat Nietzsche nicht gekannt, bei dem manüberall Freudsche Einsichten blitzhaft vorweggenom-men findet; nicht Novalis, dessen romantisch-biolo-gische Träumereien und Eingebungen sich analyti-schen Ideen oft so erstaunlich annähern; nicht Kirke-gaard, dessen christlicher Mut zum psychologischÄußersten ihn tief und förderlich hätte ansprechenmüssen; und gewiß auch Schopenhauer nicht, denschwermütigen Symphoniker einer nach Umkehr und