vorgebracht hat, seine Siege über Europa feierte. Derdeutsche Drang zur Einigung und zum Reich, vonBismarck in preußische Bahnen gelenkt, war mißver-standen, wenn man nach gewohntem Muster eineEinigungsbewegung national-demokratischen Geprä-ges in ihm sah. Er hatte das, um das Jahr 1848, einmalzu sein versucht, obgleich schon die großdeutschenDiskussionen des Paulskirchenparlaments von mittel-alterlichem Imperialismus, Erinnerungen ans HeiligeRömische Reich angeflogen gewesen waren. Aber eserwies sich, daß der europa-übliche national-demokra-tische Weg zur Einigung der deutsche Weg nicht war.Bismarcks Reich hatte im Tiefsten nichts mit Demo-kratie und also auch nichts mit Nation im demokra-tischen Sinn dieses Wortes zu tun. Es war ein reinesMachtgebilde mit dem Sinn der europäischen Hege-monie, und unbeschadet aller Modernität, aller nüch-ternen Tüchtigkeit knüpfte das Kaisertum von 1871an mittelalterliche Ruhmeserinnerungen, die Zeit dersächsischen und schwäbischen Herrscher an. Dieseben war das Charakteristische und Bedrohliche: dieMischung von robuster Zeitgemäßheit, leistungsfähi-ger Fortgeschrittenheit und Vergangenheitstraum, derhochtechnisierte Romantizismus. Durch Kriege ent-standen, konnte das unheilige Deutsche Reich preu-ßischer Nation immer nur ein Kriegsreich sein. Alssolches hat es, ein Pfahl im Fleische der Welt, gelebt,und als solches geht es zugrunde.
Druckschrift
Deutschland und die Deutschen :
(Vortr., gehalten in d. Library of Congress zu Washington im Juni 1945)
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