nicht. Im Gegenteil: was Demokratie sei, darüberhat Europa von Amerika viel zu lernen gehabt; ame-rikanische Staatsmänner und Dichter wie Lincolnund Whitman waren es, die demokratisches Denkenund Fühlen, eine demokratische Menschlichkeit derWelt in Worten aere perennius verkündigt haben,und namentlich was Withman betrifft, so hat die Er-de wohl keinen Meister des Wortes hervorgebracht,der ein Gesellschaftsprinzip wie das demokratischeso ins Trunken- Gesanghafte emporzureißen, es miteinem so mächtigen, aus Geist und Sinnhchkeit herr-lich gemischten Gefühlsinhalt zu begaben gewußthätte.
Nein, Amerika bedarf keiner Unterweisung inDingen der Demokratie. Aber Eines ist Unterwei-sung - und ein Anderes Erinnerung, Besinnung,Revision, das Wiederbewußtmachen eines gei-stigen und morahschen Besitzes, den für allzu ge-sichert zu halten und auf sich beruhen zu lassen, ge-fährlich wäre. Es gibt keinen Besitz, der Nachlässig-keit vertrüge. Selbst physische Dinge sterben ab, ge-hen ein, kommen abhanden, wenn man sich nichtum sie kümmert, wenn sie Blick und Hand des Be-sitzers nicht mehr spüren und er sie aus den Augenverhert, weil ihr Besitz ihm allzu selbstverständlichdünkt. Es ist mit der Selbstverständlichkeit der De-mokratie in aller Welt eine zweifelhafte Sache ge-worden - auch in Amerika; denn Amerika gehörtzum Kulturterritorium des Abendlandes und hatTeil an seinen inneren Schicksalen, an dem Auf und
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