was lebt!” ruft Hölderlin im Hyperion. „Mit diesenWorten legt die Tugend den zürnenden Harnisch,der Geist des Menschen den Zepter weg und ausdem Bunde der Wesen schwindet der Tod, und Un-zertrennlichkeit, ewige Jugend beseliget, verschö-nert die Welt.” - Das dionysische Erlebnis, von demdiese Worte künden, finden wir erniedrigt wieder imkollektivistischen Rausch, in der rein egoistisch-ge-nußhaften, im Grunde nichts Reelles verbürgendenLust des jungen Mensch am Marschieren im Massen-tritt unterm Singen von Liedern, die eine Mischungvon heruntergekommenem Volkslied und Leitarti-kel sind. Diese Jugend hebt das allem persönlichenLebensernst enthobene Aufgehen im Massenhaftenum seiner selbst willen und kümmert sich umMarschziele nicht viel. Aufgefordert, das Glück, dassie dabei findet, etwas näher zu bestimmen, legt sienicht gerade viel Neigung zu konkreten Einlösungenund Verwirklichungen an den Tag. Der vom Ich undseiner Last befreiende Massenrausch ist Selbstzweck;damit verbundene Ideologien wie „Staat”, „Sozia-lismus”, „Größe des Vaterlandes” sind mehr oderweniger unterlegt, sekundär und eigentlich über-flüßig: Der Zweck, auf den es ankommt, ist derRausch, die Befreiung vom Ich, vom Denken, ge-nau genommen vom Sittlichen und Vernünftigenüberhaupt; auch von der Angst natürlich, der Le-bensangst, die dazu drängt, sich kollektivistisch zu-sammenzudrücken, es menschenwarm zu haben undrecht laut zu singen: - hier ist die Seite der Sache, die
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