entbehrlichsten sind." - „Es ist nicht mehr als ein mora-lisches Vorurteil, daß Wahrheit mehr wert ist als Schein" —so ist unter diesen Sätzen keiner, der nicht in einer vonOscars Komödien Vorkommen könnte and get a laugh jnthe St. James's Theatre. Wollte man Wilde sehr loben, soverglich man seine Stucke mit Sheridans „The School forScandal". Vieles bei Nietzsche scheint aus dieser Schulezu stammen.
Natürlich hat die Zusammenstellung Nietzsches mit Wildeetwas fast Sakrilegisches, denn dieser war ein Dandy, derdeutsche Philosoph aber etwas wie ein Heiliger des Im-moralismus. Und doch gewinnt durch das mehr oderweniger gewollte Märtyrertum seines Lebensendes, dasZuchthaus von Reading, Wildes dandyism einen Anflugvon Heiligkeit, der Nietzsches ganze Sympathie erweckthätte. Was ihn mit Sokrates versöhnte, war der Schier-lingsbecher, das Ende, der Opfertod, dessen Eindruck aufdie griechische Jugend und auf Plato er für unüberschätz-bar hält. Und die Person des Jesus von Nazareth ließ erunberührt von seinem Haß auf das historische Christen-tum, abermals um des Endes, des Kreuzes willen, das er intiefster Seele liebte, und auf das er selber willentlich zu-schritt.
Sein Leben war Rausch und Leiden — eine hoch-künstle-rische Verfassung, mythologisch gesprochen die Vereini-gung des Dionysos mit dem Gekreuzigten. Den Thyrsusschwingend hat er das starke und schöne, das amoralischtriumphierende Leben ekstatisch verherrlicht und es gegenjede Verkrümmung durch den Geist verteidigt — und zu-gleich dem Leiden Huldigungen dargebracht wie keiner.
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