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Von deutscher Republik
Entstehung
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Keine Metamorphose des Geistes ist uns besser vertraut, als die, anderen Anfang die Sympathie mit dem Tode, an deren Ende der Ent-schluß zum Lebensdienste steht. Die Geschichte der europäischenDecadence und des Ästhetizismus ist reich an Beispielen dieses Durch-bruchs zum Positiven, zum Volk, zum Staat, — besonders in denlateinischen Ländern. Ihr kennt Herrn Maurice Barres, den ungestümenLiebhaber des Rheinlandes? Er hat ein Buch geschrieben mit demNovalis-Titel „Vom Blute, von der Wollust und dem Tode“. Er schriebein anderes, das, nicht minder verräterisch, „Der Tod von Venedig“heißt. Er gelangte zur Politik. Er wurde Abgeordneter, Präsident einerPatriotenliga, geistreichster Theoretiker des Nationalismus, Schöpfer desesprit nouveau, wurde der Schriftsteller des Krieges. Ich nannte ihnein Beispiel, aber ich besinne mich, bevor ich ihn ein Vorbild nenne.Nein, uns kann er als solches nicht dienen! Sein „Durchbruch“ istäußerst französischer Art, — das ist in der Ordnung. Doch keines-wegs in der natürlichen Ordnung wäre es für uns, ihm darin nach-zuahmen, und klänge es nicht nationalistisch, schon wieder, so wäreman versucht zu sagen, daß man Franzose sein müsse, um zu glauben,der Nationalismus, das sei das Leben.

Wir wollen das Sache der Franzosen sein lassen. Das Volk, das Witzgenug hatte, den Nationalismus zu eifinden, wird auch genug haben,mit seiner Erfindung fertig zu werden. Was uns betrifft, wir werdengut tun, uns um uns zu sorgen und um das, was unsere Sache, —ja, sagen wir es mit dünkelloser Freude, unsere nationale Sache ist.Ich nenne noch einmal ihren ein wenig altmodischen und heute dochwieder in Jugendglanz lockenden Namen: Humanität. Zwischen ästhe-tizistischer Vereinzelung und würdelosem Untergange des Individuumsim Allgemeinen; zwischen Mystik und Ethik, Innerlichkeit und Staat-lichkeit; zwischen totverbundener Verneinung des Ethischen, Bürger-lichen, des Wertes und einer nichts als wasserklar-ethischen Vernunft-philisterei ist sie in Wahrheit die deutsche Mitte, das Schön-Menschliche,wovon unsere Besten träumten. Und wir huldigen ihrer positivenRechtsform, als deren Sinn und Ziel wir die Einheit des politischenund des nationalen Lebens begriffen haben, indem wir unsere nochungelenken Zungen zu dem Rufe schmeidigen: „Es lebe die Republik!“