Zürne dem Glücklichen nicht, daß den leichten Sieg ihm
die Götter
Schenken, daß aus der Schlacht Venus den Liebling entrückt!
Zürne der Schönheit nicht, daß sie schön ist, daß sie
verdienstlos
Wie der Lilie Kelch prangt durch der Venus Geschenk.
Laß sie die Glückliche sein, du schaust sie, du hist der
Beglückte,
Wie sie ohne Verdienst glänzt, so entzücket sie dich...“
Ich gehe Anthologien erotischer Lyrik daran für dies Liebes-gedicht des Geistes, des Willens, der „Mühe“, der Tugend ansverdienstlos Göttliche, des Schauenden an das Seiende. UndGoethe? Gewiß: Er hat Bewunderung gegen Bewunderunggesetzt und mit Zwischengefühlen kopfschüttelnder Abnei-gung den anderen geliebt, — es ist kein Zweifel. Und doch undtrotzdem, scheint es nicht, als hätte er zu Schillers Lebzeitennicht ganz gewußt, was er an ihm besaß? Nichts findet sichdamals in seiner Dichtung, was an tiefem Gefühl für denFreund dem Sange vom „Glück“ entspräche. Doch spät, imzweiten Teil des „Faust“, in der Chiron-Szene, wo vom „heh-ren Argonautenkreise“ die Rede ist, findet es sich auf einmal,verhüllt, aber schwerlich zu verkennen.
„So wirst du mir denn doch gestehn:
Du hast die Größten deiner Zeit gesehn,
Doch unter den heroischen Gestalten
Wen hast du für den Tüchtigsten gehalten?“
Der Kentaur nennt sie alle, von denen „jeder brav war nachseiner eigenen Weise“, und Faust fragt:
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