liehen Anziehung und Abstoßung, der tiefen Feindschaft,tiefen Sehnsucht und Bewunderung, des Gehens und Nehmens,der Eifersucht, des schwermütigen Neides und stolzer Selbst-behauptung, der dauernden affektvollen Spannung — war eineAngelegenheit zwischen Mann und Mann, zwischen ihm, demganz Männlichen, und jenem, dem er weibliche Artung zu-sprechen wollte, — es war sein Verhältnis zu Goethe.
Unbegreiflich, daß, wenn von Schillers Lyrik die Rede ist,fast nie des unsäglich ergreifenden Gedichtes in Distichen ge-dacht wird, worin er wahrhaft einmal Lyriker, und das mitAbstand sein tiefstgeftihltes, in seiner erhabenen Resignationsein allerschönstes ist: „Das Glück“, diese Seligpreisung des-sen, den die gnädigen Götter vor der Geburt schon liebten,und den als Kind Venus im Arme gewiegt.
„Welchem Phöbus die Augen, die Lippen Hermes gelösetUnd das Siegel der Macht Zeus auf die Stirne gedrückt!
Ein erhabenes Los, ein göttliches, ist ihm gefallen,
Schon vor des Kampfes Beginn sindihm die Schläfenbekränzt.Ihm ist, eh’ er es lebte, das volle Leben gerechnet,
Eli’ er die Mühe bestand, hat er die Charis erlangt.“
Und dann er selbst:
„Groß zwar nenn’ ich den Mann, der, sein eigner Bildner und
Schöpfer,
Durch der Tugend Gewalt selber die Parze bezwingt}
Aber nicht erzwingt er das Glück, und was ihm die CharisNeidisch geweigert, erringt nimmer der strebende Mut.
Vor Unwürdigem kann ihn der Wille, der ernste bewahren,Alles Höchste, es kommt frei von den Göttern herab.
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