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Ansprache im Schillerjahr 1955
Entstehung
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der Gesellschaft und Schauspielerinnen, natürlich, die in sei-nen Stücken spielten. Die Biographen kennen sie alle. Sie wis-sen zu berichten von seinen Enttäuschungen durch die kalteKoketterie der einen, die mißliche Problematik der anderen.Und dann ist die Eine und Rechte da, lieblich-schlicht, eineharmonische Natur, zärtliche Neigung endlich einmal und zu-gleich Vertrauen erweckend: Charlotte von Lengefeld. Sie istes, sie wird seine Frau, die Mutter seiner Kinder. Noch mitachtundzwanzig hat er geschrieben:Nach meinem dreißig-sten Jahr heirate ich nicht mehr. Schon jetzt habe ich die Nei-gung nicht mehr dazu. Eine Frau, die ein vorzügliches Wesenist, macht mich nicht glücklich, oder ich habe mich nie ge-kannt. Drei Jahre später heißt es:Es lebt sich doch ganzanders an der Seite einer lieben Frau, als so verlassen und al-lein ... Was für ein schönes Leben führe ich jetzt. Ich sehe mitfröhlichem Geiste um mich her, und mein Herz findet eineimmer währende sanfte Befriedigung außer sich... Mein Da-sein ist in eine harmonische Gleichheit gerückt; nicht leiden-schaftlich gespannt, aber ruhig und hell gehen mir die Tagedahin... Wie wohl tut es, das zu lesen! Wie wohl, den ewigRastlosen, Geistgetriebenen, das erhabene Stiefkind des Le-bens, der von sich sagte:Was ich bin, bin ich durch eine oftunnatürliche Spannung meiner Kraft, einmal entspannt,einmal im Zustand sanfter und heiterer Befriedigung zu sehen!Einmal das Glück, das Menschenglück. Einmal die langer-sehnte Ruh. Aber man sieht wohl: eine schöpferische, Epochenbildende Rolle spielt das Erotische in diesem unlyrischen Le-ben nicht. Es gibt darin kein Sesenheim, kein Wetzlar, keineInda, Marianne und Ulrike. Die Polarität der Geschlechtervergeistigte sich ihm, wie alles das tat. Das große Abenteuerseines Lebens, seine Erfahrung der Passion, der leidenschaft-

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