[3er Reflexion entsprungenen lyrischen Schöpfungen 5 dazu dieBalladen, die man frischen Auges wieder lesen muß, um ihrerMeisterlichkeit recht gewahr zu werden, und von denen fünfoder sechs der deutschen Bildung ganz und gar zum Zitat ge-worden sind; dazu das Prosawerk: die mächtige Geschichts-schreibung, der „Abfall der Niederlande“, dem Carlos nach-folgend, der „Dreißigjährige Krieg“, vorangehend demWallenstein, ein Buch, über dem man Goethe eines Tages in'Tränen der Bewunderung fand; die Essayistik und Kritik, anhoher Intellektualität ohnegleichen; die erzählenden Schrif-ten, — Novellen von ungemeinem psychologischen Reiz undgrößter Kühnheit; oder der prachtvolle Sensationsroman vom„Geisterseher“, — als Fragment in Buchform erschienen, — umdessen Beendigung ein aufgeregtes Publikum den Autor be-stürmte, welcher aber das Weiterschreiben daran als „sünd-lichen Zeitaufwand“ verweigerte.
Er hatte zuviel zu tun, er hatte für hundert Jahre zu tun,denn in seinem Schreibtisch, seiner kleinen gebrechlichenSchreibkommode, lagen Pläne, Entwürfe, Vormerkungen zudramatischen Unternehmungen erdenklich verschiedensterArt, mehr oder weniger eingehend skizziert, mehr oder weni-ger weit vorgetriehen. Ihre Zahl allein — es waren sechzehnoder achtzehn, glaube ich — gibt eine Vorstellung davon, nachwievielen Richtungen sein unendlich versuchter Geist bestän-dig abschweifte, während er in treuer Konzentration voll-endete, was als sein Lebenswerk prangt.
Genug denn vom Werk — genug, da doch niemand ihm auchnur annähernd und im entferntesten Genüge zu tun vermöchtein einer einzigen Feierstunde wie dieser. Aber nochmals: Wasfür ein Leben! Frauenbilder durchziehen es, flüchtig auf-tauchende und tiefer ins sinnliche Gemüt greifende, Damen
24