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Ansprache im Schillerjahr 1955
Entstehung
Seite
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Kann ich, schreibt er um dieseZeit desTeil,nur mein50. Jahr mit ungehinderten Geisteskräften erreichen, so hoffeich so viel zu ersparen, daß meine Kinder (er hatte ihrer vier)unabhängig sind. Wird die Natur ihm diesen bescheiden für-sorglichen Wunsch gewähren? Das Jahr seines Todes bricht anmit Besserung und Hoffnung. Ihm ist wohl im Februar, er istfieberfrei im März, und kann amDemetrius arbeiten, aufden er sich,-es ist nicht zu glauben, sofort nach Abschluß desTeil geworfen hat. Dieser wohl gewaltigste Entwurf seinesLebens läßt mit allen seinen Implikationen und ungeheurenAnforderungen seinen Geist produktiv aufflammen, währendsein Körperliches am knappsten Rande der Lehensmöglichkeitschwebt. Die Sektion, wenig später, ergab, daß der linke Lun-genflügel völlig zerstört, die Herzkammern verwachsen wa-ren, die Leber verhärtet, die Gallenblase unnatürlich ausge-dehnt, kurz, daß eigentlich kein Organ mehr funktionsfähigwar. Und dabei arbeitete er. Tat es in größtem Maßstabe, wogin seiner schon toten Brust felsenschwere Problemgewichte ab,begeistert und besessen von der furchtbar dramatischen, mo-ralisch zerreißenden Ideensubstanz des Demetrius-Stoffes.

Nach vielem Hin und Her und, bei dem organischen Zu-stand dieses nur noch aus dem Geiste lebenden Menschen, fastunbegreiflichen Fristgeschenken, macht die Natur endlichSchluß. Aber welch ein Leben! Knapp 46 Jahre wurde er alt,und in 27 davon tut er, im Zustande, so müssen wir es unsdenken, eines motus animi continuus, täglich wachsend anBildung, Wissen um die Kunst, Anspruch an sich selbst, einWerk, dessen ein bis ins biblische Alter reichendes Verbleibensich nicht zu schämen hätte. Denn außer den zwölf Dramen,von denen das letzte und wahrscheinlich größte Fragmentblieb, sind da noch die freilich nie liedhaften, sondern gro-

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