gebung nieder, und der Anführer, ein junger Gelehrter, er-hielt einen polizeilichen Verweis. Der Autor der „Räuber“hatte längst Sitte gelernt, in Kunst und Leben. Die Freiheitblieb das Grundmotiv seines Denkens und Dichtens, aber diemännlich-maßvolle Gesetztheit und Biederkeit, mit der einverständiges Volk die leicht ins Grenzenlose schweifende Ideevertritt in dem Stück, auf das er seit sechs Jahren schon Aus-schau hielt, kennzeichnet die Entwicklung, die er seit seinenAnfängen durchlaufen, und es ist nicht ohne Humor, auf dieVerschiedenheit der Vorsätze hinzuweisen, die ihn beseelten,als er die „Räuber“ entwarf, und als er den Grund legte zum„Wilhelm Teil“. Da wollten „wir“ kein Buch mehr schreiben,das „absolut der Henker verbrennen muß“. Vielmehr heißt es:„Und das soll ein Schauspiel werden, mit dem wir Ehre ein-legen wollen.“ „Es soll ein mächtiges Ding werden und dieBühnen von Deutschland erschüttern.“ „Mit meinem Teildenke ich den Leuten den Kopf wieder warm zu machen. Siesind auf solche Volksgegenstände ganz verteufelt erpicht.“Spekulation großen Stils also, zweifellos, und unternehmen-der Ausblick auf das Theater und die Wünsche des Publikums.Daß solche naiven Berechnungen sich in ihm mit dem heilig-sten Willen zum Guten verbinden, in ernstester Treue zurKunst angestellt werden, versteht sich von selbst. Schiller hat,wie am besten seine Kritik der Gedichte von Bürger zeigt,über das Problem künstlerischer Volkstümlichkeit, einer Volks-tümlichkeit, die der Würde der Kunst nichts vergibt, mit seinerganzen Klugheit nachgedacht. Sein Schweizer Stück ist die Er-füllung des „Allerschwersten“, von dem er dort spricht: dieAufhebung der Kulturunterschiede durch die Kunst, ein herr-liches Werk, worin ihm gelang, was selten oder einmalig ist:klassische Popularität.
22