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Ansprache im Schillerjahr 1955
Entstehung
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Namen von Indulgenz, könnte sich auf diesem Wege dasIdeale auf das Theater stehlen. Es stiehlt sich in diesem edel-mütigen, wunder herrlichen Stück aufs Theater im Schutz einerIndulgenz, wie sie sonst nur die singende Leidenschaft von derNatur zu erbitten weiß. Und als ein stilistisches Wunder mußes gelten, daß, in aller Romantik, der Dichter eine klassischeGrundhaltung zu bewahren w r eiß. Ist dieJungfrau roman-tische Oper, so ist sie es doch auf klassische Art etwas völligEinmaliges und an die Persönlichkeit Gebundenes, das Goethesehr gefiel j denn er stimmte dem ungeheuren Erfolg desStückes zu durch sein Urteil, es sei Schillers schönstes.

Wird ihm nicht die zur Theaterwirkung soviel weniger be-rufeneBraut von Messina' noch besser gefallen, zu der derUnermüdliche nun sogleichAnstalt macht? Er hatte Goethedarum beneidet, wie der zwischen Reflexion und Produktionzu alternieren wußte, während bei ihm sich beide Wirkungs-artennicht sehr zum Vorteil der Sache vermischten. Wirhaben da wohl den eigentlichsten Grund für die Verwendungdes Chors in derBraut von Messina.Der Chor, sagt Schil-ler,reinigt das tragische Gedicht, indem er die Reflexion vonder Handlung absondert und eben durch diese Absonderungsie selbst mit poetischer Kraft ausrüstet. Seine gefährlicheDoppelbegabung als Denker und Dichter sondert in einemgroßen Versuch den Hang zur Betrachtung rein von der Ak-tion, um ihn ihr gerade dadurch poetisch gleichzustellen. Tat-sächlich steigt der Gedankenglanz des Schillerschen Verseszum Äußersten in den Chören derBraut von Messina.

Junge Leute brachten bei der Weimarer Erstaufführungein Vivat auf den Dichter aus, was ganz immöglich w r ar imHause des Herzogs. Schiller selbst, das Gesicht von zartemRot überlaufen vor höfischem Unwillen, zischte die Kund-

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