aber es war nun so, daß seine hygienische Disziplin zu wün-schen ließ. Unordnung im Schlafen und Wachen war längstbei ihm eingerissen, die Nachtarbeit ihm teuer geworden, unddann schlief er bis tief in den Tag. Zeitlebens rauchte er stark,neben dem Tabakschnupfen, obgleich er besser wußte, alsseine Ärzte, die es ihm abstreiten wollten, daß er die Lungen-schwindsucht hatte. Er mochte lässig sein in der Selbstscho-nung, weil er ohnedies seine Jahre als gezählt ansah und Weis-heit der Lebensführung für ebenso unnütz wie ungeneröserachtete.
Aber schmerzlich bleibt es, zu lesen, wie ein rauher Aprilihm „alle Lust am Denken und Schreiben verdirbt“, wieschlimme Novembertage „alle seine Übel rege machen, so daßselbst die Arbeit ihn nicht erfreut“, — die Arbeit, die ihm dochalles ist, ihm, dem fleißigsten der Dichter! „Die Hauptsache“,heißt es in einem Brief, „ist der Fleiß; denn dieser gibt nichtnur die Mittel des Lebens, sondern er gibt ihm auch seinenalleinigen Wert.“ Es ist fast nicht zu glauben, daß er unmittel-bar nach Bezwingung des „Wallenstein“, ohne die geringsteRuhepause einzulegen, den alten Plan der „Maria Stuart“wiederaufnimmt und das Stück im Lauf des Jahres, in welchesdie Erstaufführungen der Trilogie fallen, vollendet. Als erauch damit fertig, schreibt er: „Ich befinde mich nie besser,als wenn mein Interesse an einer Arbeit recht lebendig ist.Habe auch deswegen schon zu einer neuen Anstalt gemacht.“Das ist „Die Jungfrau von Orleans“, seine Wort-Oper, bei derman sich der Briefstelle an Goethe erinnert: „Ich hatte immerein gewisses Vertrauen zur Oper, daß aus ihr wie aus denChören des alten Bacchusfestes das Trauerspiel in einer edlernGestalt sich loswickeln sollte. In der Oper verläßt man wirklichjene servile Naturnachahmung, und obgleich nur unter dem
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