„Und woher weißt du, daß ich ihn nicht wirklichZum besten habe? Daß ich nicht euch alleZum besten habe? Kennst du mich so gut?
Ich wüßte nicht, daß ich mein InnerstesDir aufgetan —“
Nichts könnte echter sein. Ich glaube an die geniale Getroffen-heit von Schillers Wallenstein-Portrait, glaube nicht denen,die wissen wollen, der „Wirkliche“ sei „anders“ gewesen.Historische und psychologische Intuition sind da der sich nach-schleppenden Quellenforschung, die sie nur bestätigen kann,kühn und sicher voran geeilt, und, selten so stark, wie vor die-ser Gestalt, empfindet man, daß die Aufgabe, die ein Histori-ker sich stellte: zu zeigen, „wie es in Wirklichkeit gewesen“,was wenigstens das innerlichst Menschliche angeht, doch ebendem Dichter Vorbehalten bleibt.
Dabei ist nicht zu sagen, welche Mühe und Not die Bewäl-tigung des Monstre-Werks ihn gekostet hat. Schwere Stunden!Wie unterscheiden zwischen der Einwirkung üblen Wetters,der Müdigkeit unterm Druck des ewigen Schnupfens, des Ka-tarrhfiebers, der Krampfschmerzen in Brust und Unterleib —und den Mängeln des Werkes selbst, das ihm oft genug als einunglückseliges und der Verzweiflung geweihtes Vorhaben er-scheinen wollte? Kein Wunder, daß er Stimulantien zu Hilfenimmt: etwas Likör, Weinschokolade, ein paar Gläser Cham-pagner und viel Kaffee, um nur des Überdrusses für den Augen-blick Herr zu werden, den solch eine Daueranstrengung er-zeugt, und zu dessen Überwindung es beständiger Erneuerungder Lust, der Inspiration und Energie bedarf aus nervösen Re-serven, aus der Treue zum Gegenstand, dem Ethos des Fertig-machens? Gut waren derlei Hilfsmittel gewiß nicht für ihn,
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