Es ist kein Zufall, daß diese Beispiele dem „Wallenstein“entnommen sind; denn das Riesenwerk, das ihm die schwersteästhetische Sorge bereitet hat, und über dessen kaum zu klä-render und zu formender Stoffmasse er am längsten gebrütet,hat seinen ganz eigenen, von dem all seiner anderen Gedichteverschiedenen Stil und Ton.
Es waren zwei Sorgenpunkte, auf die hei der Zubereitungdes ungeschmeidigen Stoffes der Dichter hauptsächlich dengrübelnden Blick gerichtet hielt: die Schwierigkeit, ja Unmög-lichkeit, erstens, die Armee, also die Basis, auf die Wallensteinseine Unternehmung gründet, vors Auge, auch nur vor diePhantasie zu bringen — und die poetische Brauchbarkeit desHauptcharakters, dieses zwar mächtigen und die Mitwelt ban-nenden, aber umwölkten, zweideutigen, aus Gut und Böserätselhaft gemischten, fatalistisch zögernden und von seinemeigenen Gedankenspiel ins Verderben geführten Charakters,der, in Schillers Worten, „niemals edel und durchaus nurfurchtbar, nie eigentlich groß erscheinen darf“.
Nim denn, das erste Problem war gelöst mit dem Freimacheneines Vor-Abends für das dramatische Tableau des Lagers vorPilsen. Es gab dem Dichter die Möglichkeit, das, was sonst nurungeschaut hinter der Szene hätte rumoren können, Wallen-steins blind ihm ergebenes Geschöpf und Instrument, denSchrecken der Bauern, den Schrecken des Kaisers, die bunt zu-sammengewürfelte, übermütig vom Fett des Landes zehrendeIleeresmasse in lebendigen Bildern vor Augen zu führen. Erhat die Möglichkeit genial genutzt und eine formale Wendig-keit und Laune dabei bewährt, die bei seiner angestrengtenNatur in Erstaunen setzt. — Doch immer ragt der Schattendessen, der hier noch nicht in persona erscheint, mächtig undvon faustischer Dämonie umwittert in das Lager-Stück hinein,
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