spiel ab einer immanenten, eingeborenen, nicht umzubringen-den Dynamik, die den ängstlichsten Maßnahmen widerstandund sich intakt gehalten hat bis auf den heutigen Tag.
Nicht nur den „Räubern“ gehört sie an. Ich habe „Kabaleund Liebe“ nach dem ersten Weltkrieg in München — die Räte-republik war gerade gefallen — vor einem äußerst bürgerlichen,äußerst rückschlägig-konservativ gestimmten Publikum inmittelmäßiger Aufführung gesehen und es erlebt, daß die-ses Publikum durch den Atem des Werkes in eine Art vonrevolutionärer Rage versetzt wurde. Es wurde zum Schiller-Publikum, wie noch ein jedes es geworden ist vor seinenStücken.
„Kabale und Liebe“, obgleich erst nach der Flucht begon-nen, reicht als Idee noch in die Stuttgarter Zeit zurück, undzwar in die Tage des Arrestes, mit dem der Dichter vom Her-zog für das unbefugte Verlassen seines Postens zum Besuchder „Räuber“ in Mannheim bestraft wurde, und der ihn tieferbitterte. Aber ebenfalls schon aus dem Stuttgarter Arresthat er brieflich verlauten lassen, „Don Carlos, Infant vonSpanien“, werde der nächstzubehandelnde dramatische Ge-genstand sein. Im März 85 macht er sich an den „Carlos“,bricht aber schon im nächsten Monat wieder ab, da die Mille-rin so wenig fertig ist, wie „Fiesco“ es war, als er sich auf das„bürgerliche Trauerspiel“ warf. Erst im Sommer des näch-sten Jahres kann et an Philipps Hof zurückkehren. Was erentwirft, ist vorderhand nicht mehr als ein fürstliches Fami-liengemälde. Aber sein politischer Puls, der in eins schlägt mitdem dramatischen selbst, muß das Bild um den Kontrast be-reichern von starrer Menschenverachtung und edelmütigerenIdeen, Ideen von Freiheit und Völkerglück, die den Vers klin-gen und schwellen machen und ihm nicht nur rednerischen
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