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Ansprache im Schillerjahr 1955
Entstehung
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Draufgängertums, echte Souveränität verliehen.Man muß,hört man ihn zur Zeit derJungfrau von Orleans sagen,manmuß, wie ich hei diesem Stück sehe, sich durch keinen allge-meinen Begriff fesseln lassen, sondern es wagen, hei einemneuen Stoff die Form neu zu erfinden und sich den Gattungs-begriff immer beweglich erhalten.

Das klingt recht praktisch, es drückt, sich ein frisch realisti-sches Verhältnis zur Form, zur Kunst darin aus, und schonmeldet sich das Bedürfnis, dem himmelblau-idealistischenNimbus, der seine Gestalt als konventionelle Glorie umgibt,denn doch ein etwas kräftigeres Kolorit zu geben, ihm denFarbton von Realismus beizumischen, der zum Wesen seinerGröße gehört.

Man findet in den Äußerungen dieses Freiheitsideologenzur Politik und zum sozialen Problem eine realistische Unver-schwärmtheit, die verblüfft. Es bleibt nicht hei dem berühm-tenDie Mehrheit ist der Unsinn, womit er die Demokratievor den Kopf stößt. Er konnte es mit dem Worte so grob trei-ben wie in dem Distichon von derWürde des Menschen:

Nichts mehr davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu

wohnen;

Habt, ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.

Das ist ja sozialistischer Materialismus, Gott behüte! Es istjedenfalls alles andere als Schönrednerei, die der Gewohnheits-irrtum ihm nachsagt.

Nein, kein in Sehnsucht vergehender ewiger Jüngling, kernSchwärmer steht vor uns, sondern ein Mann, gestählt vomStudium der Geschichte, aufs Praktische verwiesen durch dasTheater, dessen Forderungen als Meister nachzukommen er,

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