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Ansprache im Schillerjahr 1955
Entstehung
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Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet,

Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born,

Nur des Meißels schwerem Schlag erweichetSich des Marmors sprödes Korn.

Aber dringt bis in der Schönheit Sphäre,

Und im Staube bleibt die Schwere

Mit dem Stoff, den sie beherrscht, zurück.

Nicht der Masse qualvoll abgerungen,

Schlank und leicht, wie aus dem Nichts gesprungen,Steht das Bild vor dem entzückten Blick.

Wie ist das gesagt! Wie verbindend leiht es Sprache, pathe-tisch, aber exakt, dem Trachten und der Erfahrung jeder arti-stischen Existenz! Zudem, wie hat er in einer anderen Stropheseines grandiosen Künstlergedichts die Verkindlichung, dasirdische Zugänglichwerden des Höchsten gefeiert! Und werwollte denn auch in Schillers Wesen, bei allem tiefbemühten,heiligen und mit enormem Scharfsinn ausgestatteten Ernst,der ihm eignet, das Kindliche verkennen, die edelmütige Nai-vität, die uns so manches Mal ein verehrendes Lächeln aufdie Lippen lockt, da sie doch unablöslich seiner spezifischenund ganz unvergleichlichen Größe angehört, einer Groß-heit, generös, hochfliegend, flammend, emporreißend, welt-allstrunken und menschheitlich-kulturpädagogisch, männlichin alldem aufs höchste. Aber das Lächeln, das wir uns gelegent-lich zu verbeißen haben vor Schillerscher Grandiosität, gilteinem Ewig-Knabenhaften, das zu ihr gehört, dieser Lust amhöheren Indianerspiel, am Abenteuerlichen und psychologischSensationellen, an der Plutarch-Biographie des Extremen, un-geheuerer Tugend und erhabenen Verbrechens, dieser Phan-

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