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Roheit bedeutet, sondern Korrektur, sondern Resi-gnation. Deutschland, höchst radikal im Geistigen, wolltees nie sein im Wirklichen. Das ist sein Mangel an Gene-rosität, an Kindlichkeit. Es fehlt uns vor der Wirklichkeitdie generöse und galante Geste, an welcher die Franzosenfesthalten. Bismarcks Positivismus, seine „Realpolitik",sein Reichsgebilde — das korrespondiert auf tiefe undcharakteristische Art mit Kants praktischer Vernunft imGegensatz zur „reinen", — deutsch ist der kategorischeImperativ jenseits der abgründigsten Skepsis. Diedeutsche Liebe zur Wirklichkeit, wahr und leidenschaftlichwie irgendeine, ist ironisch-melancholisch, etwas düsterund letzten Grundes nicht ohne Verachtung. Deshalbsträubt sich die Welt, ihr Spielraum zu geben, dieseenglische Welt, die vom Cant erfüllt ist und das „Recht"gegen sie verteidigt, das von der Macht unabhängigeRecht, welches sie selbst wohl tausendmal ohne einenAnflug von Schamerröten in den Staub getreten, dessenVerletzung durch Deutschland aber offenbar eine schwereund unleidliche Verzerrung der Natur bedeutet.
Wie seltsam ist das! Spricht nicht im Grunde einefast religiöse Achtung vor Deutschland aus dieser Unduld-samkeit? — Friedliche Neigung des Gemütes zur heimat-lichen Flur und Welle, gelehrte und poetische Pflegeunserer reichen und tiefen Sprache, — dergleichen Vater-landsliebe war auch uns Deutschen von jeher erlaubtund erregte den Fremden kein Ärgernis. IrgendwelchesBestehen jedoch auf deutscher Macht und deutschem