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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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nach als Gesellschafterin, Wirtschafterin, Ehrendame mitder Nichte lebte.

Von dieser ein Bild zu geben, bin ich wohl berufen,-dawenig später aus guten Gründen mein Auge lange in angelegent-licher Prüfung auf ihr ruhte. Wenn je das Wort "sympathisch"unentbehrlich gewesen ist zur Kennzeichnung einer Person, sobei der Beschreibung dieses Frauenzimmers, das von Kopf zuFuss in jedem Zuge, mit jedem Wort, jedem Lächeln, jederWesensäusserung den geruhig-unüberschwänglichen-ästhetisch-moralischen Sinn dieses Wortes erfüllte. Dass sie die schön-sten schwarzen Augen von der Welt hatte, stelle ich voran,

- schwarz wie Jett, wie Teer, wie reife Herzkirschen, Augen,nicht gar gross, aber von offenem, in seiner Dunkelheit kla-rem und reinem Aufblick, unter Brauen, deren feine, ebenmä-ssige Zeichnung so wenig mit Kosmetik zu schaffen hatte, wiedas mässige Lebensrot der sanften Lippen. Es war nichtsKünstliches, keine nachziehende, untermalende, färbende Auf-machung an dem Mädchen. Die natürlich-sachliche Annehmlich-keit, mit welcher etwa ihr dunkelbraunes, im Nacken schweres,die Ohren freilassendes Haar aus der Stirn und von den zartenSchläfen zurückgenommen war, gab auch ihren Händen das Ge-präge, - verständig schönen, keineswegs sehr kleinen, aberschlanken und dünnknochigen Händen, an den Gelenken schlichtumspannt von den Manschetten einer weissen Seidenbluse. Sowar von glattem Kragen der Hals umschlossen, der schlankund wie eine Säule rund, in der Tat wie gemeisselt, darausemporstieg, gekrönt von dem lieblich zugespitzten Oval deselfenbeinfarbenen Gesichts mit dem feinen und wohlgeformten,durch lebhaft geöffnete Nüstern auffallenden Näschen. Ihrnicht eben häufiges Lächeln, ihr noch selteneres Lachen,das immer eine gewisse rührende Anstrengung der wie durch-sichtigen Schläfenpartie mit sich brachte, entblösste denSchmelz dicht und ebenmässig gestellter Zähne.

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