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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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als das Wiener, bereitete aber doch nicht nur den Ausführen-den lebhafte Ovationen, sondern bestand an beiden Abendenauch auf dem Erscheinen des Autors, der seinem Interpretenden Gefallen tat, Hand in Hand mit ihm wiederholt für denBeifall zu danken. Dies zweimalig-einmalige Vorkommnis also,das persönliche Sich preisgeben der Einsamkeit vor der Menge,habe ich versäumt. Ich war davon ausgeschlossen. Wer ihmdas zweite Mal, in Zürich, beiwohnte und mir davon erzählte,war Jeanette Scheurl, die sich gerade in dieser Stadt auf-hielt und mit Adrian auch in dem Privathause zusammentraf,dessen Logiergäste er und Schwerdtfeger waren.

Es war das in der Mythenstrasse, nahe dem See gelegeneHeim des Herrn und Frau Reiff, eines reichen, kinderlosen undkunstfreundlichen, schon betagten Ehepaars, das sich vonjeher ein Vergnügen daraus machte, durchreisende!Künstlernvon Rang ein gepflegtes Asyl zu bieten und sie gesellschaft-lich zu unterhalten. Der Mann, ein von den Geschäften aus-ruhender ehemaliger Seiden-Industrieller und Schweizer vonaltdemokratischem Schrot und Korn, hatte ein Glasauge, dasseinen bärtigen Zügen eine gewisse Starrheit verlieh, - eintäuschender Eindruck, denn er war einem liberalen Frohsinnzugetan und liebte nichts mehr, als mit Damen des Theaters,Heroinen oder Soubretten, in seinem Salon zu scharmuzieren.Auch liess er sich bei seinen Empfängen zuweilen nicht übelauf dem Cello hören, pianistisch begleitet von seiner Frau,die aus dem Reiche stammte und einst dem Gesang obgelegenhatte. Sie ermangelte seines Humors, stellte aber eine ener-gisch-wirtliche Bürgerin vor, welche in dem Gefallen daran,den Ruhm zu beherbergen und den sorglosen Geist des Virtuo-sentums in ihren Räumen walten zu lassen, mit ihrem Gattendurchaus übereinstimmte. In ihrem Boudoir war ein ganzerTisch mit den Widmungsphotographien europäischer Celebritätenbedeckt, die sich der Reiff sehen Gastlichkeit dankbar ver-

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