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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Aber sie kannte auch Pfeiffering, gelegentlich und unter derHand kam es zu Tage: in der Stille hatte sie von Adrians Lei-denschaft, seiner nächsten Umgehung Kenntnis genommen, hatte,wenn ich nicht irre, geradezu unter dem Fenster der Abtsstu-be gestanden - und sich ungesehen wieder entfernt. Dies istpackend genug, aber noch seltsamer ergreift es mich, und nochmehr ruft es die Vorstellung der Wall- und Pilgerfahrt wach,dass sie, wie sich ebenfalls lange nachher und mehr oder we-niger zufällig herausstellte, auch nach Kaisersaschern gefah-ren war, dass sie in Dorf Oberweiler und auf Hof Buchei selbstBescheid wusste, also vertraut war mit dem - mich jederzeitetwas bedrückenden - Parallelismus, der zwischen dem Schau-platz von Adrians Kindheit und seinem späteren Lebensrahmenbestand.

Ich vergass zu erwähnen, dass sie jene Ortschaft in denSabinerbergen, Palestrina, nicht ausgelassen, einige Wochenim Hause Manardi verweilt und, wie es schien, sich mit Sig-nora Manardi rasch und herzlich angefreundet hatte. Wenn sieder Wirtin in ihren teils deutsch, teils französisch geschrie-benen Briefen gedachte, so nannte sie die "Mutter Manardi","Märe Manardi". Die gleiche Bezeichnung Hess sie Frau Schwei-gestill zukommen, die sie, wie aus ihren Worten hervorging,gesehen hatte, ohne von ihr gesehen - oder beobachtet - wor-den zu sein. Und sie selbst? War es ihre Idee, sich diesenMutter-Figuren anzuschliessen und sie Schwester zu heissen?Welcher Harne gebührte ihr - im Verhältnis zu Adrian Leverkühn?Welchen wünschte sie sich, nahm sie in Anspruch? Den einerSchutzgüttin, einer Egeria, einer geisterhaften Geliebten?

Der erste Brief, den sie (aus Brüssel) an ihn richtete, warvon dem Huldigungsgeschenk eines Ringes begleitet, wie ichseinesgleichen nie gesehen habe, was allerdings nicht vielheissen will, da Schreiber dieses in Dingen der Schätze die-ser Welt wahrhaftig wenig bewandert ist. Es war ein Kleinod

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