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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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aber ausschweifenden, übrigens nicht an seinen Lastern zu-grunde gegangenen, sondern beim Pferderennen verunglücktenGatten als Besitzerin eines Palais in Pest, eines riesigen,einige Stunden südlich der Hauptstadt, nahe Stuhlweissenburg,zwischen Plattensee und Donau gelegenen Rittergutes, und da-zu noch einer schlossartigen Villa an dem genannten See, demBalaton, kinderlos zurückgelassen worden war. Das Gut, mitprächtigem, aus dem achtzehnten Jahrhundert bequem erneuertenHerrenhaus, umfasste ausser ungeheueren Weizenfeldern aus-gedehnte Zuckerrüben-Pflanzungen, deren Ernten in eigenenRaffinierbetrieben auf dem Gut verarbeitet wurden. Keinendieser Aufenthalte, Stadthaus, Gutsschloss und Sommervilla,benutzte die Eigentümerin für irgend längere Zeit. Ganz vor-wiegend, man kann sagen: fast immer, war sie auf Reisen,indem sie Heimstätten, an denen sie offenbar nicht hing, vondenen Unruhe oder peinliche Erinnerungen sie vertrieben, derObsorge von Verwaltern und Hausmeistern überliess. Sie lebtein Paris, Neapel, Ägypten, im Engadin, von Ort zu Ort beglei-tet von einer Jungfer, einem männlichen Angestellten, deretwas wie einen Quartiermacher und Reisemarschall abgab,und einem allein ihren Diensten gewidmeten Arzt, was aufdelikate Gesundheit schliessen liess»

Ihre Beweglichkeit schien von dieser nicht getroffen,und im Verein mit einem Enthusiasmus, der auf Instinkt, Ah-nung, sensitivem Wissen - Gott weiss es - geheimnisvollerEinfühlung und Seelenverwandtschaft beruhte, zeitigte sieüberraschende Präsenzen. Es stellte sich heraus, dass diese.Frau überall zur Stelle gewesen war und sich unauffälligins Publikum gemischt hatte, wo immer man gewagt hatte, vonAdrians Musik etwas erklingen zu lassen: in Lübeck (bei derverhöhnten Premiere der Oper), in Zürich, in Weimar, in Prag.Wie oft sie in München und also seinem Wohnsitz ganz nahewar, ohne sich bemerkbar zu machen, weiss ich nicht zu sagen.

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