Er kenne die Dame nicht, sagte er, - aber ohne seinerseitszu fragen, wer das denn sei; weshalb denn auch Edelmann davonabstand, Aufklärungen zu geben, sondern nur erwiderte:
- Jedenfalls haben Sie - oder: haben Meister - keinewärmere Verehrerin.
Offenbar nahm er das "Nicht kennen” als die bedingte undin Diskretion gehüllte Wahrheit, die es war. Adrian konnteantworten, wie er es tat, weil es in seinen Beziehungen zuder ungarischen Aristokratin an jeder persönlichen Begegnungfehlte und - so füge ich hinzu - nach beiderseitiger stillerÜbereinkunft immer fehlen sollte. Dass er seit Jahr und Tagim brieflichem Austausch mit ihr stand, einer Korrespondenz,in welcher sie sich als die klügste und genaueste Kennerinund Bekennerin seines Werkes, dazu als sorgende Freundinund Ratgeberin, als unbedingte Dienerin seiner Existenz erwies,und worin er für sein Teil an die Grenze der Mitteilsamkeitund des Vertrauens ging, deren die Einsamkeit fähig ist, -das ist eine andere Sache. Ich habe von bedürftigen Frauen-seelen gesprochen, die sich durch uneigennützige Hingebungeinen bescheidenen Platz in dem sicherlich unsterblichenleben dieses Mannes eroberten. Hier ist eine dritte, ganzanders geartete, an Uneigennützigkeit jenen schlichterennicht nur nicht nachstehend, sondern sie übertreffend: durchden asketischen Verzicht auf jede direkte Annäherung, dieunverbrüchliche Observanz der Verborgenheit, der Zurückhal-tung, der Nicht-Behelligung, des -unsichtbar Bleibens, - dasnicht wohl auf linkischer Scheu beruhen konnte, da es sichum eine Frau von Welt handelte, welche dem Einsiedler vonPfeiffering auch wirklich die Welt repräsentierte, - die Welt,wie er sie liebte, brauchte, ertrug, die Welt im Abstand, dieaus intelligenter Schonung sich fern haltende Welt...
Ich sage von diesem seltenen Wesen, was ich weiss, Madamede Tolna war eine reiche Witwe, die von einem ritterlichen,
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