tische Blondine verliebt hatte. Bass Clarissa damals nichtüberhaupt ohne Engagement, sondern zum zweiten Mal, wenn auchnur für wenig dankbare Episodenrollen, dem Pforzheimer Stadt-theater verpflichtet worden war, verdankte sie der Sympathie*'und Fürsprache eines älteren Bramaturgen, der, selbst lite-rarisch bemüht, zwar auch nicht an ihre Berufenheit zur Büh-ne glauben mochte, aber ihren allgemeinen geistigen und mensch-lichen Rang zu schätzen wusste, welcher den im Gauklervölk-chen üblichen so beträchtlich und oft so störend überstieg.Vielleicht, wer weiss? liebte er sie sogar und war nur selbstzu sehr der Mann der Enttäuschung und des Verzichtes, um zuseiner stillen Neigung Mut zu fassen.
Zu Beginn der neuen Saison also begegnete Glarissa demjungen Menschen, der versprach, sie aus einem verfehltenBeruf zu lösen und ihr dafür, als seiner Gattin, eine fried-lich gesicherte, ja wohlbegüterte Existenz in zwar fremder,aber ihren Ursprüngen bürgerlich verwandter Sphäre zu bie-ten. Mit unverkennbarer Hoffnungsfreudigkeit, Bankbarkeit,ja Zärtlichkeit (die eine Frucht der Bankbarkeit war), be-richtete sie brieflich an ihre Schwester und sogar an ihreMutter über Henris Werbung und auch über die Widerstände,auf die seine Wünsche vorläufig daheim noch stiessen. Unge-fähr des gleichen Alters wie seine Erwählte, Familiensohn -oder -söhnchen auch wohl -, Liebling seiner Mutter, Mitar-beiter seines Vaters im Geschäft, vertrat er zu Hause dieseWünsche mit Wärme und gewiss auch mit Willenskraft, - vonder aber vielleicht ein Mehreres nötig gewesen wäre, um raschdas Vorurteil seines bürgerlichen Glans gegen die Schauspie-lerin, die Vagabundin, eine "boche" noch obendrein, zu über-winden. Henri hatte viel Verständnis für die Sorge der Sei-nen um seine Feinheit und Reinheit, für ihre Furcht, er möch-te sich verplempern. Bass er dies keineswegs tat, indem erGlarissa heimführte, war nicht so leicht ihnen klar zu machen.