heim im Badischen, - das heisst: sie kam nicht, oder wenig,von der Stelle? die grösseren Schauspielhäuser des Reicheskümmerten sich nicht um sie? sie war erfolglos oder ohnerechten Erfolg, aus dem einfachen und doch für den, den esangeht, so schwer zu fassenden Grunde, weil ihre natürlicheBegabung nicht ihrem Ehrgeiz gleichkam, kein echtes undrechtes Theaterblut ihrem Wissen und Wollen zur Wirksamkeitverhalf und ihr auf der Bühne die Sinne und Herzen einerwiderspenstigen Menge gewann. Es fehlte im Primitiven, -das nun einmal in aller Kunst, bestimmt aber in der des Komö-dianten das Entscheidende ist, - möge das nun zu Ehren oderUnehren der Kunst und insonderheit des Komödiantentums gesagtsein.
Etwas anderes kam hinzu, Clarissas Existenz zu verwirren.Sie hielt, wie ich längst mit Bedauern bemerkt hatte, Bühneund Leben nicht wohl auseinander; sie war Schauspielerinund betonte die Schauspielerin, vielleicht eben weil siekeine rechte war, auch ausserhalb des Theaters; der leiblich-persönliche Charakter dieser Kunst verführte sie zu einerAufmachung ihrer civilen Psson mit Gesichtskosmetik^ gepol-sterten Frisuren und über-dekorativen Hüten, - einer völligunnötigen und missverständlichen Selbstinszenierung, die aufden freundschaftlich Empfindenden peinlich,auf den Bürger her-ausfordernd und auf die männliche Lüsternheit ermutigendwirkte, - ganz irrtümlich und gegen jede Absicht; denn Cla-rissa war das spöttisch-abweisendste, kühlste, keuscheste,nobelste Geschöpf, - mochte auch dieser Harnisch ironischenHochmuts ein Schutzgebilde sein gegen Begehrungen ihrer Weib-lichkeit, die sie nun doch wieder zur rechten SchwesterInessens Institoris der Geliebten - oder ci devant-GeliebtenRudi Schwerdtfegers, machten.
Jedenfalls war nach jenem wohlkonservierten Sechziger, dersie zu seiner Maitresse hatte machen wollen, noch mancher
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