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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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XXXV

Die neue Ziffer ateht einem Abschnitt zu Häupten, der denBericht von einem Trauerfall in meines Freundes Lebensbereich,einer menschlichen Katastrophe bringen soll, aber, mein Gott,welcher Satz, welches Wort, das ich hier geschrieben, wäredenn nicht vom Katastrophalen umwittert, das unser allerLebensluft geworden ist? Welches erzitterte nicht insgeheim,wie nur zu oft die Hand, die es schrieb, von den Vibrationender Katastrophe, auf die meine Erzählung zustrebt, und zu-gleich derjenigen, in deren Zeichen die Welt - zum mindestendie humane, die bürgerliche Welt heute steht?

Hier handelt es sich um eine intim menschliche, von derAussenwelt kaum beachtete Katastrophe, zu deren Erfüllungvieles zusammenkam: männliche Schurkerei, weibliche Schwäche,weiblicher Stolz und berufliches Misslingen. Es sind nunzweiundzwanzig Jahre, dass, beinahe vor meinen Augen, Glaris-sa Rodde, die Schauspielerin, Schwester der ebenfalls sicht-lich gefährdeten Ines, zugrunde ging: Hach Ablauf der Winter-Saison 1921/22, im Mai, nahm sie sich zu Pfeiffering, imHause ihrer Mutter und ohne viel Rücksicht auf diese, hastigund entschlossen mit dem Gifte das Leben, das sie eben fürden Augenblick, wo ihr Stolz das Leben nicht mehr ertragenwürde, von langer Hand her in Bereitschaft gehalten hatte.

Ich will die Vorgänge, die zu ihrer uns alle erschüttern-den, doch im Grunde nicht zu tadelnden Schreckenstat führ-ten, und die Umstände, unter denen sie die Tat vollzog, mitkurzen Y/orten hier wiedergeben. Angedeutet wurde schon,dass die Besorgnisse und Warnungen ihres Münchener Lehrerssich als nur zu stichhaltig erwiesen und Clarissas künst-lerische Laufbahn sich in Jahren noch immer nicht aus pro-vinziellen Niederungen ins Höhere, Ansehnlich-Würdigere hatteerheben wollen. Von Elbing in Ostpreussen kam sie nach Pforz-

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