in Leipzig, zur Gewohnheit geworden war, nicht entbehren, amwenigsten während der Arbeit, bei der er nach seiner Versi-cherung ohne das Zwischenein von Wickeln und Inhalieren weni-ger lange ausgehalten hätte. Er war ihr aber um die Zeit,als ich ins Civilleben zurückkehrte, sehr dringlich ergeben- nach meinem Eindruck nicht so sehr um ihres aktuellen Gegen-standes willen, nämlich der Gesta-Spiele, oder nicht alleinum seinetwillen, sondern weil er trachtete, ihn hinter sichzu bringen und für neu sich ankündigende Forderungen seinesGenius bereit zu sein. Am Horizont, ich bin dessen sicher,stand schon damals, wahrscheinlich schon seit Ausbruch desKrieges, der ja für eine Divination, wie die seine, einentiefen Ab-und Einschnitt, die Eröffnung einer neuen, tumul-tösen und grundstürzenden, mit wilden Abendteuern und Leidenüberfüllten Geschichtsperiode bedeutete, - am Horizont seinesschöpferischen Lebens stand bereits die "Apocalipsis cumfiguris", das Werk, das diesem Leben einen schwindelndenAuftrieb geben sollte, und bis zu welchem - so sehe wenig-stens ich den Prozess - er sich mit den genialischen Puppen-Grotesken die Wartezeit vertrieb.
Adrian hatte das alte Buch, das als Quelle der meistenromantischen Mythen des Mittelalters zu gelten hat, dieseÜbersetzung der ältesten christlichen Märchen- -und Legenden-sammlung aus dem Lateinischen, durch Schildknapp kennen ge-lernt - ich bescheinige dem Günstling mit den gleichen Augengern das Verdienst. Sie hatten manchen Abend zusammen daringelesen, und was dabei vor allem auf seine Kosten gekommen,war Adrians Sinn für Komik gewesen, diese Begierde nach demLachen - ja, Tränen lachen können, der meine etwas trockeneNatur nie recht Nahrung zu geben wusste und daran auch gehin-dert war durch eine gewisse Ungehörigkeit, die für mein ängst-liches Gemüt in dieser Heiterkeitsauflösung seines in Span-nung und Bangigkeit geliebten ‘Wesens lag. Rüdiger, der