den Stand der Unschuld zurückzufallen.
- Wie freue ich mich, rief ich, - dass du das eben gele-sen hast! Es ist herrlich gedacht, und du tust ganz recht,es in die Idee des Durchbruchs einzubeziehen. Sage abernicht: "Hur vom Ästhetischen handelt es", sage nicht: "Hur"!Man tut sehr unrecht, im Ästhetischen einen engen und geson-derten Teilbezirk des Humanen zu sehen. Es ist vieD mehr,als das, es ist im Grunde alles in seiner gewinnenden oderbefremdenden Wirkung, wie denn ja auch bei dem Dichter dadas Wort "Grazie" de.n allerweitesten Sinn hat. ÄsthetischeErlöstheit oder Unerlöstheit, das ist das Schicksal, dasentscheidet über Glück oder Unglück, über das geselligeZuhausesein auf Erden oder heillose, wenn auch stolze Ver-einsamung, und man muss nicht Philolog sein, um zu wissen,dass das Hässliche das Verhasste ist. Durchbruchsbegierdeaus der Gebundenheit und Versiegelung im Hässlichen, - sagemir immerhin, dass ich Schlafstroh dresche, aber ich fühle,habe immer gefühlt und will es gegen viel derben Augen-schein vertreten, dass dies deutsch ist kat exochen, tiefdeutsch, die Definition des Deutschtums geradezu, einesSeelentums, bedroht von Versponnenheit, Einsamkeitsgift,provinzlerischer Eckenstehererei, neurotischer Verstrickung,stillem Satanismus...
Ich brach ab. Er sah mich an, und ich glaube, die Farbewar aus meinen Wangen gewichen. Der Blick, den er auf michrichtete, war der Blick, der bewusste, der mich unglücklichmachte, beinahe gleichviel, ob ich es war, oder ein anderer,dem er zustiess: stumm, verschleiert, kalt distanziert bis2um Kränkenden, und es folgte das Lächeln darauf, bei ver-schlossenem Mund und spöttisch zuckenden Nasenflügeln, -lind das Sich abwenden. Er ging weg vom Tisch, nicht gegenSchildknapps Platz, sondern zur Fensternische, an deren getä-felter Wand er ein Heiligenbild gerade hängte. Rüdiger sagte
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