nicht vor dreissig, Recht und Gesetz, das Habeat corpus, Frei-heit und Menschenwürde hatten im Lande in leidlichen Ehrengestanden. Zwar waren die Fuchteleien jenes im Grunde völligunsoldatischen und für nichts weniger, als für den Krieg,geschaffenen Tänzers und Komödianten auf dem Kaiserthrondem Gebildeten peinlich - und seine Stellung zur Kultur dieeines zurückgebliebenen Lummkopfes gewesen. Aber sein Einflussauf diese hatte sich in leeren Massregelungsgesten erschöpft.Die Kultur war frei gewesen, sie hatte auf ansehnlicher Höhegestanden, und war sie von langer Hand an ihre völlige Be-zugslosigkeit zur Staatsmacht gewöhnt, so mochten ihre ju-gendlichen Träger gerade in einem grossen Volkskrieg, wieer nun ausbrach, das Mittel sehen zum Durchbruch in eine Le-bensform, in der Staat und Kultur Eines sein würden. Hierwaltete nun freilich, wie immer bei uns, eine eigentümlicheSelbstbefangenheit, ein völlig naiver Egoismus, dem es nichtdarauf ankommt, ja, der es für ganz selbstverständlich an-sieht, dass für die deutschen Werde-Prozesse (und wir werdenja immer) eine ganze schon fertigere und keineswegs auf Kata-strophendynamik versessene Welt mit uns ihr Blut zu vergie-ssen hat. Man nimmt uns das übel, und nicht ganz mit Unrecht;denn moralisch betrachtet sollte das Mittel eines Volkes,zu einer höheren Form seines Gemeinschaftslebens durchzubre-chen - wenn es denn blutig dabei zugehen soll - nicht derKrieg nach aussen, sondern der Bürgerkrieg sein. Dieserjedoch widerstrebt uns ausserordentlich, während wir uns nichtsdaraus machten, es im Gegenteil prächtig fanden, dass unserenationale Einigung - noch dazu eine partielle, eine Kompro-miss-Einigung - drei schwere Kriege gekostet hatte. Eineßrossmacht waren wir nun allzu lange schon; der Zustand wargewohnt und beglückte nicht nach Erwartung. Das Gefühl,dass er uns nicht gewinnender gemacht, dass er unser Verhält-nis zur Welt eher verschlechtert, als verbessert hatte, sass,
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