eingestanden oder nicht, tief in den Gemütern. Fällig er-schien ein neuer Durchbruch: derjenige zur dominierendenWeltmacht, - der freilich auf dem Wege moralischer Heimar-beit nicht zu bewirken war. Krieg also, und wenn es seinmusste, gegen alle, um alle zu überzeugen und zu gewinnen,das war's, was das "Schicksal" (wie "deutsch", dies Wort,ein vor-christlicher ürlaut, ein tragisch-mythologisch-musik-dramatisches Motiv!) beschlossen hatte, und wozu wir begei-stert (ganz allein begeistert) aufbrachen - erfüllt von derGewissheit, dass Deutschlands säkulare Stunde geschlagenhabe; dass die Geschichte ihre Hand über uns halte; dass nachSpanien, Frankreich, England wir an der Reihe seien, derWelt unseren Stempel aufzudrücken und sie zu führen; dassdas zwanzigste Jahrhundert uns gehöre und nach Ablauf dervor einigen hundertzwanzig Jahren inaugurierten bürgerlichenEpoche die Welt im Zeichen des Deutschen, im Zeichen einesnicht ganz zu Ende definierten militaristischen Sozialismusalso, sich zu erneuern habe.
Diese Vorstellung, um nicht zu sagen: Idee, beherrschtedie Köpfe in einträchtigem Beieinander mit der, dass wir zumKriege gezwungen seien, dass heilige Hot uns zu den allerdingswohl vorbereiteten und eingeübten Waffen rief, von deren Vor-trefflichkeit immer die geheime Versuchung ausgegangen seinmochte, davon Gebrauch zu machen, - zusammen also mit derFurcht, von allen Seiten überflutet zu werden, wovor uns nurunsere ungeheure Kraft, das heisst: die Fähigkeit schützte,den Krieg sofort in anderer Leute Land zu tragen. Angriffund Verteidigung waren dasselbe in unserem Fall: sie bildetenzusammen das Pathos der Heimsuchung, der Berufung, der grossenStunde, der heiligen Hot. Mochten die Völkerschaften dortdraussen uns für Rechts- und Friedensstörer, für unerträg-liche Lebensfeinde halten, - wir hatten die Mittel, die Weltauf den Kopf zu schlagen, bis sie anderer Meinung über uns