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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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ihr selber ganz gleichgültig ist.

An freundschaftlichem guten Willen zum Verständnis fehltees mir also nicht, mochte mir das Verstehen im Sinne der Ein-fühlung auch durch die Natur verbaut sein. Mein Gott, derkleine Schwerdtfeger! Seine Gesichtsbildung hatte dochschliesslich etwas Möpsliches, seine Stimme war gaumig, undmehr vom Jungen hatte er, als vom Mann, - das schöne Blauseiner Augen, seinen richtigen Wuchs und sein einnehmendesGeigen und Pfeifen, nebst seiner allgemeinen Nettigkeit,bereitwillig zugegeben. Also denn, Ines Rodde liebte ihn,nicht blind, aber in desto tieferem Leidej und innerlich ver-hielt ich mich dazu, wie ihre spöttische, gegen das andereGeschlecht durchaus hochnäsige Schwester Clarissa: Auchich hätte "Hopp!" zu ihm sagen mögen, "Hopp, Mensch, wasdenken Sie sich? Springen Sie gefälligst!"

Nur war das mit dem Springen, auch wenn Rudolf die Ver-pflichtung dazu anerkannt hätte, nicht so einfach. Denn dawar ja Helmut Institoris, der Bräutigam, oder Bräutigam inspe, Institoris, der Bewerber, - und damit komme ich auf diePräge zurück, seit wann denn Inessens schwesterliche Bezie-hung zu Rudolf sich ins Leidenschaftliche gewandelt hatte.

Mein menschliches Ahnungsvermögen sagte es mir: Es war damalsgeschehen, als Dr. Helmut sich ihr, der Mann dem Weibe, genä-hert und -um sie zu werben begonnen hatte. Ich war über-zeugt und bin es geblieben, dass Ines sich nie in Schwerdt-feger verliebt hätte, ohne den Eintritt Institoris', des Frei-ers, in ihr Leben. Der warb um sie, aber er tat es gewisser-es sen für einen anderen. Denn der massige Mann konnte zwardurch sein Werben und die damit verbundenen Gedankenreihendas leib in ihr erwecken, - so weit reichte es. Aber nichtfür sich konnte er es erwecken, obgleich sie ihm aus Vemunft-gründen zu folgen bereit war, - so weit reichte es nicht beiihm. Sondern ihre erweckte Weiblichkeit wandte sich sofort

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