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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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einem anderen zu, für den ihr Bewusstsein so lange nur ge-lassenhalhgeschwisterliche Gefühle gekannt hatte, und fürden nun ganz andere in ihr frei wurden. Keine Rede davon,dass sie ihn für den Rechten, den Würdigen gehalten hätte.Sondern ihre Melancholie, die das Unglück suchte, fixierte sichauf ihn, den sie mit Widerwillen hatte sagen hören:"Es sindschon so viele unglücklich!"

Und sonderbar übrigens! Sie nahm von der Bewunderungdes ungenügenden Bräutigams für das geistlos triebhafte"leben", die ihrer Gesinnung doch so entgegen war, etwas inihre Verfallenheit an den anderen hinein, hinterging ihn ge-wissermassen mit seiner eigenen Geistesrichtung. Denn stell-te nicht Rudolf etwas dar wie das liebe Leben in den Augenihrer wissenden Schwermut?

Gegen Institoris, einen blossen Dozent des Schönen, hatteer den Vorteil der Kunst selbst, dieser Nährerin der Leiden-schaft und Verklärerin des Menschlichen, auf seiner Seite.

Denn die Person des Geliebten wird natürlich dadurch erhöht,und die Gefühle für ihn ziehen begreiflicher Weise immerwieder neue Nahrung daraus, wenn mit dem Eindruck seiner Per-son fast stets berauschende Künsteindrücke verbunden sind.

Ines verachtete im Grunde den Schönheitsbetrieb der sinnen-frohen Stadt, in welche die mütterliche Neugier auf grössereSittenfreiheit sie verpflanzt hatte, aber sie nahm um ihresbürgerlichen Unterkommens willen an den Festen einer Gesell-schaft teil, die ein einziger grosser Kunstverein war, undgerade das war der Ruhe gefährlich, die sie suchte. MeinGedächtnis bewahrt .prägnante und ängstliche Bilder aus dieserZeit. Ich sehe uns, die Roddes, die Knöterichs etwa dazuund mich selbst nach der besonders glänzenden Aufführungeiner Tschaikowsky-Symphonie im Zapfenstösser-Saal in einerder vordersten Reihen unter der Menge stehen und applaudieren.Der Dirigent hatte das Orchester zum Aufstehen veranlasst,

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