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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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wann, zu welchem Zeitpunkt, ihr ursprünglich geschwisterlich-kameradschaftliches Verhältnis zu dem Geiger diesen heissenund leidenschaftlichen Charakter angenommen hatte.

Die erste Frage beantwortete ich mit Ja. Ein so belesenes,man kann wohl sagen: psychologisch geschultes und ihr Erlebendichterisch überwachendes Mädchen, wie sie, hatte selbstver-ständlich Einsicht in die Entwicklung ihrer Gefühle, - soüberraschend, ja unglaubwürdig ihr diese Entwicklung viel-leicht anfangs erschienen war. Die scheinbare Naivität, mitder sie ihr Herz vor mir biosstellte, bewies nichts gegenihr Wissen; denn teils war, was aussah wie Einfalt, ein Aus-druck zwanghaften Mitteilungsdränges, teils war es eine Sachedes Vertrauens zu mir, eines eigentümlich verkleideten Ver-trauens: denn sie fingierte gewissermassen, dass sie michfür simpel genug halte, nichts zu merken, was ja auch eineArt von Vertrauen gewesen wäre, wünschte und wusste aber ei-gentlich, dass mir die Wahrheit nicht entging, weil sie, zumeiner Ehre, ihr Geheimnis bei mir für gut aufgehoben erach-tete. Das war es unbedingt. Meines humanen und diskretenMitgefühls durfte sie sicher sein, so schwer es von Naturwegen einem Manne fällt, sich in Seele und Sinn einer Frau zuversetzen, die für ein Individuum seines Geschlechtes ent-brannt ist. Selbstverständlich ist es für uns viel leich-ter, den Gefühlen eines Mannes für ein weibliches Wesen zufolgen - und sage dieses einem Selbst auch garnichts -, alssich in die Ergriffenheit des anderen Geschlechts durch einePerson des eigenen zu versetzen. Man "versteht" das im Grundenicht, man nimmt es nur gebildeter Weise, in objektiver Ach-tung vor dem Naturgesetz hin - und zwar pflegt da das Verhal-ten des Mannes wohlwollend-duldsamer zu sein, als das derFrau, welche meistens die Geschlechtsgenossin, von der sieerfährt, dass sie ein Männerherz in Flammen gesetzt, rechtgrünen Blicks zu betrachten pflegt, auch wenn dieses Herz

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