- Allerdings. Du bist vor die rechte Schmiede gegangen.
Nun war hier aber etwas Sonderbares, das wenigstens flüch-tig zu empfinden wohl niemand umhinkonnte, und das sich auchin Ines' nicht gleich wieder verschwindendem Erröten bezeug-te. Es lag ja durchaus in ihrer Linie, dass sie ihrem Freierin dieser und jeder ähnlichen Frage unrecht gab. Aber dasssie dem Knaben Rudolf recht gab, das lag nicht in ihrer Li-nie. Diesem war ja ganz unbekannt, dass es so etwas gäbe
wie Immoralismus, und man kann nicht gut jemandem recht geben,der die Gegenthesis garnicht versteht, - wenigstens nicht,bevor man sie ihm erklärt hat. In Ines' Urteilsspruch lag,obgleich er logisch ganz natürlich und gerechtfertigt war,dennoch etwas Befremdliches, und für mich wurde es unterstri-chen durch das Auflachen, mit dem ihre Schwester ClarissaSchwerdtfegers unverdienten Sieg begleitete, - diese stolzePerson mit zu kurzem Kinn, der es sicher nicht entging, wenndie Überlegenheit, aus Gründen, die nichts mit Überlegenheitzu tun haben, sich etwas vergab, und die ebenso gewiss derMeinung war, dass sie sich nicht damit vergab.
- Nun, rief sie, - Rudolf, hopp! bedanken Sie sich, steh*auf Jüngling, und neige dich! Hole deiner Retterin ein Eisund engagier' sie zum nächsten Walzer!
So machte sie es immer. Sie hielt sehr stolz mit ihrerSchwester zusammen und sagte immer "Hopp!", wenn es derenWürde galt. "Na, hopp!" sagte sie auch zu Institoris, demBewerber, wenn der sich in der Galanterie irgendwie langsamund begriffsstutzig erwies. Sie hielt überhaupt, aus Stolz,mit der Überlegenheit zusammen, sorgte für sie und zeigtesich höchlichst erstaunt, wenn ihr nicht gleich nach Gebührgeschah. "Wenn der von dir etwas will", schien sie sagen zuwollen, "so hast du zu springen." Ich erinnere mich wohl,wie sie zu Schwerdtfeger auch einmal "Hopp!" sagte um Adrianswillen, der in Sachen eines Zapfenstösser-Konzerts irgend