heiten, bei denen, in grösserem Kreise, am Rast- und Weintischin einer Ballsaal-Laube, ihre Gesinnungen konversationeilauf einanderstiessen: wenn etwa Institoris behauptete, nurMenschen mit starken, brutalen Trieben könnten grosse Werkeschaffen, und Ines dagegen protestierte, indem sie geltendmachte, es seien oft höchst christliche, vom Gewissen gebeugte,vom Leiden verfeinerte und gegen das Leben düster gestimmteVerfassungen gewesen, aus denen in der Kunst das Grosse her-vorgegangen sei. Mir schienen solche Antithesen müssig undzeitgebunden, der Wirklichkeit, nämlich dem selten geglück-ten und gewiss immer prekären Gleichgewicht von Vitalitätund Infirmität, das offenbar das Genie ausmacht, schienensie mir garnicht gerecht zu werden. Aber hier vertrat nuneinmal der eine Part das, was er war, nämlich die Lebenskränk-lichkeit, und der andere das, was er anbetete, nämlich dieKraft, und so musste man sie gewähren lassen.
Einmal, wie ich mich erinnere, als wir so beisammen sassen(auch Knöterichs, Zink und Spengler, Schildknapp und sein Ver-leger Radbruch waren von der Partie) entspann sich derfreundschaftliche Streit garnicht zwischen den Liebesleuten,wie man wohl anfangen konnte, sie zu nennen, sondern fastkomischer Weise, zwischen Institoris und Rudi Schwerdtfeger,der, sehr nett als Jägerbursche gekleidet, eben einmal beiuns sass. Ich weiss wirklich nicht mehr genau, tun was essich handelte? jedenfalls war die Meinungsverschiedenheitaus einer ganz unschuldigen Bemerkung Schwerdtfegers hervor-gegangen, bei der er sich wenig oder nichts gedacht hatte.
Sie betraf das "Verdienst", soviel weiss ich, ein Erkämpftes,Errungenes, durch Willensanstrengung und SelbstüberwindungGeleistetes, und Rudolf, der das Vorkommnis von Herzen gelobtund es verdienstvoll genannt hatte, konnte garnicht verstehen,was Institoris nur einfiel, dass er ihm das verwies und keinVerdienst anerkennen wollte, welches schwitzte. Vom Stand-