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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Schelmerei gespitzten Mund. Aber mit seinem ästhetischenIdeal hätte dieser Freier ja auch garnicht zu leben gewusst;seine männliche Überlegenheit wäre dabei völlig zu kurz ge-kommen, - man brauchte ihn sich nur an der Seite einer tönen-den Vollnatur wie der Orlanda vorzustellen, um sich davonhumoristisch zu überzeugen. Auch war Ines keineswegs ohneweiblichen Reiz; dass ein Umschau haltender Mann sich inihr schweres Haar ihre kleinen, Grübchen bildenden Hände,ihre vornehm auf sich haltende Jugend verliebt hatte, warsehr begreiflich. Sie mochte sein, was er brauchte. IhreUmstände zogen ihn an: nämlich ihre patrizische Abkunft,die sie betonte, die aber durch ihren gegenwärtigen Zustand,ihre Verpflanztheit, eine gewisse Deklassiertheit leichtherabgesetzt war, sodass sie sein Übergewicht nicht bedrohte;vielmehr konnte er das Gefühl haben, sie zu heben, zu reha-bilitieren, indem er sie zu der Seinen machte. Eine Mutter,die Witwe, halb verarmt und ein wenig vergnügungssüchtigwar; eine Schwester, die zum Theater ging; ein mehr oder weni-ger zigeunerischer Umgangskreis, - das waren Verhältnisse,die ihm im Interesse seiner eigenen Würde nicht missfielen,besonders, da er sich durch diese Verbindung auch wiedergesellschaftlich nichts vergab, seine Carriere nicht durchsie gefährdete und sicher sein konnte, dass Ines von derSenatorin korrekt und gemütvoll mit einer Leinen-, vielleichtauch Silbermitgift ausgestattet, ihm eine tadellos repräsen-tierende Hausfrau sein werde.

So stellten sich mir die Dinge, von Dr, Institoris ausgesehen dar. Versuchte ich, mit den Augen des Mädchens aufihn zu blicken, so verlor die Sache an Stimmigkeit. Ichkonnte dem durchaus kleinlichen und um sich selbst besorgten,zwar feinen und trefflich gebildeten, aber körperlich durch-aus unherrlichen Mann (er hatte übrigens auch einen trippeln-den Gang) mit dem Aufgebot meiner ganzen Phantasie keinen

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