Diese Namen besassen für ihn den Nimbus konservativerAutorität, und nun wurden sie dem Bereich modernistischerZersetzung überwiesen. Er sympathisierte - und war zugleichso unheimlich berührt, dass er sogar sein Monokel aus demAuge nahm, wodurch sein Gesicht jedes Schimmers von Intelli-genz beraubt war. Auch ging es ihm nicht besser, wenn Brei-sachers kulturkritisches Perorieren ins Alt-Testamentarischefiel, sich also seiner persönlichen Ursprungssphäre, demjüdischen Stamm oder Volk und dessen Geistesgeschichte zuwand-te und auch hier einen höchst equivoquen, ja hahnebüchenenund dabei boshaften Konservatismus bewährte. Wenn man ihnhörte, setzten da Verfall, Verdummung und der Verlust jederFühlung mit dem Alten und Echten so frühzeitig und an so re-spektabler Stelle ein, wie niemand es sich hatte träumenlassen. Ich kann nur sagen: Es war im Ganzen wahnsinnigkomisch. Für ihn waren solche jedem Christenkinde ehrwürdi-gen biblischen Personagen, wie die Könige David und Salomo,sowie die Propheten mit ihren Salbadern vom lieben Gott imHimmel, bereits die heruntergekommenen Repräsentanten einerverblassenen Spät-Theologie, die von der alt- und -echtenhebräischen Wirklichkeit des Volks-Elohim Jahwe keine Ahnungmehr hatte und in den Riten, mit denen man zur Zeit echtenVolkstums diesem Nationalgott diente oder vielmehr ihn zu kör-perlicher Gegenwart zwang, nur noch "Rätsel der Urzeit" sah.Besonders auf den "weisen" Salomo war er scharf und sprangmit ihm um, dass die Herren durch die Zähne pfiffen und dieDamen ein erstauntes Jauchzen hören liessen.
- Pardon! sagte von Riedesel. - Ich bin, gelinde gesagt...König Salomo in seiner Herrlichkeit... Sollten Sie nicht...
- Nein, Excellenz, ich sollte nicht, erwiderte Breisacher.
- Der Mann war ein von erotischen Genüssen entnervter Ästhetund in religiöser Beziehung ein fortschrittlicher Dummkopf,typisch für die Rückbildung vom Kult des wirkend gegenwärtig
420