glaube ich, hatte sie ein Gefühl dafür, dass Breisacher nichtganz der Rechte war, sie zu vertreten, als dafür, dass sie .nicht die rechten Leute sein möchten, ihnen zu applaudieren.
Ähnlich, sagte er, verhalte es sich mit dem Übergang derMusik von der Monodie zur Mehrstimmigkeit, zur Harmonie,den man so gern als einen kulturellen Fortschritt betrach-te, wo er doch gerade eine Acquisition der Barbarei gewesensei.
- Das heisst... pardon... der Barbarei? krähte Herr vonRiedesel, der wohl gewohnt war, in der Barbarei eine, wennauch leicht kompromittierende, Form des Konservativen zusehen.
- Allerdings, Excellenz. Die Ursprünge der mehrstimmigenMusik, d.h. des Gesanges in Quinten- oder Quartenzusammen-klängen, liegen weitab vom Centrum der msuikalischen Civi-lisation, von Rom, wo die schöne Stimme und ihr Kultus zuhau-se waren? sie liegen im rauhkehligen Norden und scheineneine Art von Kompensierung der Rauhkehligkeit gewesen zusein. Sie liegen in. England und Frankreich, namentlich
im wilden Britannien, das sogar zuerst die Terz in die Harmo-nie aufnahm. Die sogenannte Höherentwicklung, die Kompli-zierung, der Fortschritt sind also zuweilen die Leistungder Barbarei. Ich stelle anheim, ob man diese dafür lobensoll...
Es war klar und deutlich, dass er die Excellenz und dieganze Gesellschaft zum Besten hatte, indem er sich zugleichkonservativ bei ihnen anbiederte. Offenbar war ihm nichtwohl, solange noch irgend jemand wusste, was er denken sollte.Selbstverständlich wurde die polyphone Yokal-Musik, dieseErfindung fortschrittlicher Barbarei, zum Gegenstand seinerkonservativen Protektion, sobald der geschichtliche Übergangvon ihr zum harmonisch-akkordisehen Prinzip und damit zurInstrumental-Musik der jüngsten beiden Jahrhunderte sich
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