zu einem näheren Austausch zwischen uns über Breisacher kam.
Aber seine witternde Fühlung mit der geistigen Bewegung derZeit, seine Nase für ihre neuesten Willensmeinungen habe ichnie geleugnet, und manches davon trat mir in seiner Personund seinem Salongespräch zu allererst entgegen.
Br war ein Polyhistor, der über alles und jedes zu redenwusste, ein Kulturphilosoph, dessen Gesinnung aber insoferngegen die Kultur gerichtet war, als er in ihrer ganzen Geschich-te nichts als einen Verfallsprozess zu sehen vorgab. Dieverächtlichste Vokabel in seinem Munde war das Wort "Port-schritt"; er hatte eine vernichtende Art, es auszusprechen,und man fühlte wohl, dass er den konservativen Hohn, den erdem Fortschritt widmete, als den wahren Rechts&tsweis für sei-nen Aufenthalt in dieser Gesellschaft, als Merkmal seinerSalonfähigkeit verstand. Es hatte Geist, aber keinen so rechtsympathischen, wie er den Fortschritt der Malerei von derprimitiv flächenhaften zur perspektivischen Darstellung ver-hohniegelte. Die Ablehnung der perspektivischen Augentäuschungdurch die vor-perspektivische Kunst für Unfähigkeit, fürHilflosigkeit, eben für linkischen Primitivismus zu haltenund wohl gar mitleidig die Achseln darüber zu zucken, daswar es, was er für einen Gipfel alberner neuzeitlicher Arro-ganz erklärte. Ablehnung, Verzicht, Geringschätzung seiennicht Unvermögen, Unbelehrtheit, kein Armutszeugnis. Alsob nicht die Illusion das a^lerniedrigste, dem Pöbel gerech-teste Prinzip in der Kunst, als ob es nicht einfach ein Zei-chen noblen Geschmacks sei, nichts von ihr wissen zu wollen!
Von gewissen Dingen nichts wissen zu wollen, diese Fähigkeit,der'Weisheit sehr nahe stehend oder vielmehr ein Teil vonihr, sei leider abhanden gekommen, und die ordinäre Nase-weisheit heisse sich Fortschritt.
Irgendwie fühlte die Salonbesatzung der geborenen vonHausig sich von diesen Ansichten angeheimelt, und eher noch,
417