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bedeutete ihm ein konservativ-polemisches Schiboleth gegendas Modern-Aufrührerische. Von der künstlerischen Traditions-welt des russisch-französischen Ballets, deren Repräsentan-ten etwa Tschaikowsky, Ravel und Stravinsky sind, hatte er garkeine Ahnung und war weit entfernt von Ideen, wie der zuletztgenannte russische Musiker sie später über das klassischeBallet äusserte: es sei, als Triumph massvoller Planung überdas schweifende Gefühl, der Ordnung über den Zufall, alsMuster apollinisch bewussten Handelns, das Paradigma derKunst. Was ihm vielmehr dabei vor schwebte, waren einfachGazeröckchen, Spitzengetrippel und "graziös" über den Kopfgebogene Arme - unter den Augen einer das "Ideale" behaup-tenden, das Hässlich-Problematische verpönenden Hofgesell-schaft in den logen und eines gezügelten Bürgertums im Par-terre .
Nun wurde freilich bei Schlaginhaufens viel Wagner produ-ziert, da ja die dramatische Sopranistin Tanja Orlanda, einegewaltige Frau, und der Heldentenor Harald Kjoejelund, einschon dicker Mann mit Zwicker und erzener Stimme, dort häu-fig Gäste waren. Aber Wagners Werk, ohne dass sein Hofthea-ter auch nicht hätte bestehen können, hatte Herr von Riedesel,laut und heftig wie es war, mehr oder weniger ins Bereichdes Feudal-"Graziösen" einbezogen und brachte ihm Achtungentgegen, umso bereitwilliger, als es schon Neueres, darüberHinausgehendes gab, das man ablehnen und gegen das man Wagnerkonservativ ausspielen konnte. So kam es sogar vor, dassSeine Excellenz die Sänger selbst am Flügel begleitete, wasihnen schmeichelte, obgleich seine pianistischen Künste demKlavierauszug wenig gewachsen waren und ihnen mehr als ein-mal die Effekte gefährdeten. Ich hatte es gar nicht gern,wenn Kammersänger Kjoejelund Siegfrieds endlose und rechtstumpfsinnige Schmiedelieder schmetterte, sodass die empfind-licheren Dekorationsstücke des Salons, Vasen und Kunstgläser
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