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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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und gehobeneren Kreises, den der Ehrgeiz der Frau Dr. Schlag-inhaufen, geb. von Plausing, um sich und ihren schwäbelnden,dabei sehr schwerhörigen Gatten zu versammeln wusste, nachmeiner doch immer nur als Liebhaberei gepflegten Produktionsehr lebhaft war und mich fast immer nötigte, mein Instrumentin die Briennerstrasse mitzubringen, um die Gesellschaftmit einer Chaconne oder Sarabande aus dem 17ten Jahrhundert,einem "Plaisir dAmour" aus dem 18ten zu regalieren oder ih-nen eine Sonate von Ariosti, dem Freunde Handels, oder einesder von Haydn für die Viola di Bordone geschriebenen, aberauf der Viola dAmore wohl spielbaren Stücke vorzuführen.

Nicht nur von Jeanette Scheurl pflegte die Anregung aus-zugehen, sondern auch von dem Generalintendanten, Excellenzvon Riedesel, dessen GÖnnertum für das alte Instrument und diealte Musik nun freilich nicht, wie bei Kranich, gelehrt-antiquarischer Neigung entstammte, sondern rein konservati-ver Tendenz war. Das ist, versteht sich, ein grosser Unter-schied. Dieser Hofmann, ein ehemaliger Reiteroberst, derauf seinen gegenwärtigen Posten einzig und allein aus demGrunde befohlen worden war, weil er dafür bekannt gewesenwar, ein wenig Klavier zu spielen (wieviele Jahrhundertescheint heute die Zeit zurückzuliegen, wo man Generalinten-dant wurde, weil man von Adel war und dabei etwas Klavierspielte!) - Baron Riedesel also sah in allem Alten und Histo-rischen eine Trutzburg gegen das Neuzeitliche und Umstürzle-rische, eine Art von feudaler Polemik dagegen, und unterstütz-te es in dieser Gesinnung, ohne in Wahrheit irgend etwas davonzu verstehen. Denn so wenig man das Neue und Junge verste-hen kann, ohne in der Tradition zu Hause zu sein, so unechtund steril muss die Liebe zum Alten bleiben, wenn man sichdem Neuen verschliesst, das mit geschichtlicher Notwendigkeitdaraus hervorgegangen. So schätzte und protegierte Riedeseldas Ballet, und zwar, weil es "graziös 1 sei. Das Wort "graziös"

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