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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Komplexen komme die Geschwindigkeit, mit der sie das täten,derjenigen gleich, die die Alpha-Teilchen radioaktiver Sub-stanzen entwickelten, und die 25000 Kilometer in der Sekundebetrage, eine Schnellkraft, gegen die der Splitterflug einerkrepierenden Granate ein Schneckentempo annehme. Wenn alsoalle Milchstrassensysteme in übertriebenstem Zeitmass voneinander wegjagten, so reiche das Wort "Explosion" geradeeben noch, oder auch schon längst nicht mehr, hin, den Zu-stand des Weltmodells und seine Art von Ausgedehntheit zubezeichnen. Diese mochte früher einmal statisch gewesen seinund einfach eine Milliarde Lichtjahre im Durchmesser betragenhaben. Wie die Dinge jetzt lägen, könne zwar von Ausdehnung,aber nicht von irgend welcher stehenden Ausgedehntheit, "end-lich" oder "unendlich", die Rede sein. Alles, was, wie esschien, Capercailzie dem Prager hatte zusichern können, war,dass die Summe sämtlicher überhaupt vorhandenen Milchstrassen-bildungen in der Grössenordnung von hundert Milliarden liege,von denen nur eine geringe Million unseren heutigen Fernrohrenerreichbar sei.

So Adrian, rauchend und lächelnd. Ich redete ihm nun insGewissen und verlangte von ihm das Eingeständnis, dass die-ser ganze ins Wichts entweichende Zahlenspuk unmöglich dasGefühl von Gottes Herrlichkeit erregen, irgend welche sittli-che Erhebung schenken könne. Wach einem Teufelsjux vieleher sähe das alles ja aus.

- Gib zu, sagte ich ihm, - dass die Horrendheiten derphysikalischen Schöpfung auf keine Weise religiös produktivsind. Welche Ehrfurcht und welche der Ehrfurcht entstammendeSittigung des Gemütes kann ausgehen von der Vorstellung einesunermesslichen Unfugs, wie des explodierenden Weltalls?

Absolut keine. Frömmigkeit, Ehrfurcht, seelischer Anstand,Religiosität sind nur über den Menschen und durch den Men-schen, in der Beschränkung auf das Irdisch-Menschliche möglich.

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