Ein sinn- und gedankenvolles Abschreiben ist in der Tat(wenigstens für mich; aber auch Monsignore Hinterpförtnerstimmt mir hierin bei) eine ebenso intense und zeitverzehrendeBeschäftigung, wie das Niederlegen eigener Gedanken, und wieschon an früheren Punkten der Leser die Zahl der Tage undWochen, die ich der Lebensgeschichte meines verewigten Freun-des schon gewidmet hatte, unterschätzt haben mag, so wirder auch jetzt in seiner Vorstellung hinter dem Zeitpunktzurückgeblieben sein, zu dem ich die gegenwärtigen Zeilenab-fasse. Möge er meine Pedanterie belächeln, aber ich halte esfür richtig, ihn wissen zu lassen, dass, seit ich diese Auf-zeichnungen begann, schon fast ein Jahr ins Land gegangenund über der Abfassung der jüngsten Kapitel der April 1944herangekommen ist.
Selbstverständlich meine ich mit diesem Datum dasjenige,unter dem ich selbst mit meiner Tätigkeit stehe, - nicht das,bis zu welchem meine Erzählung fortgeschritten ist, und dasja auf den Herbst 1912, zwanzig Monate vor Ausbruch des vo-rigen Krieges, lautet, als Adrian mit Rüdiger Schildknappvon Palestrina nach München zurückkehrte und für sein Teilzunächst in einer Schwabinger Premdenpension (Pension Gisella)Wohnung nahm. Ich weiss nicht, warum diese doppelte Zeitrech-nung meine Aufmerksamkeit fesselt, und weshalb es michidrängt,auf sie hinzuweisen: die persönliche und die sachliche, dieZeit, in der der Erzähler sich fortbewegt, und die, in wel-cher das Erzählte sich abspielt. Es ist dies eine ganz eigen-tümliche Verschränkung der Zeitläufe, dazu bestimmt übrigens,sich noch mit einem Dritten zu verbinden: nämlich der Zeit,die eines Tages der Leser sich zur geneigten Rezeption desMitgeteilten nehmen wird, sodass dieser es also mit einer drei-fachen Zeitordnung zu tun hat: seiner eigenen, derjenigendes Chronisten und der historischen.
Ich will mich in diese Spekulationen, die in meinen eigenen
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