unter einem allerdings gut gewählten Vorwände Luft machte,obgleich - oder eben weil - Sor Alfo' die Bewunderung allerManardis für den Advokaten, in dem sie eine Art Staatsmannsahen, in tiefster Seele teilte. Es gingen aber auch dieWeltansichten der Brüder vielfach auseinander, denn der Ad-vokat war von eher konservativer, würdig devoter Gesinnung,Alfonso dagegen ein Freigeist, libero pensatore und Kritikus,aufsässig gesinnt gegen Kirche, Königtum und governo, dieer sämtlich als s chwer durchsetzt von skandalöser Verderbnisschilderte. "A capito, che sacco dl birbaccione?" "Hast du>verstanden, was für ein Sack voll Spitzbüberei?" pflegte erseine Anklagen zu schliessen, - viel mundfertiger als derAdvokat, der sich nach wenigen Ansätzen krächzenden Protestesärgerlich hinter seine Zeitung zurückzog.
Noch ein Vetter der drei Geschwister, ein Bruder von FrauNellas verstorbenem Gatten, Dario Manardi, ein sanfter undgraubärtiger, am Stocke gehender Mann von ländlichem Typ,lebte mit seiner unscheinbaren und kränklichen Gattin in demFamilienhaus. Diese aber führten ihren eigenen Tisch, wäh-rend ■uns Sieben, die Brüder, Amelia, die beiden Dauergästeund das Besucher-Paar, Signora Peronella mit einer Freigebig-keit, die zu dem bescheidenen Pensionspreis in keinem Ver-hältnis stand, aus ihrer romantischen Küche verpflegte, -unermüdlich in Angeboten. Denn, wenn wir schon eine gehalt-volle Minestra,■Singvögelchen mit Polenta, Scaloppini in Mar-sala, ein Hammelgericht oder Wildschwein mit süsser Zukost,auch viel Salat, Käse -und Früchte genossen und unsere Freundezum schwarzen Kaffee ihre Regie-Cigaretten angezündet hatten,so konnte sie im Ton eines anregenden Vorschlags und gutenEinfalls fragen: "Signori, jetzt - ein wenig Fisch?" - Einpurpurner Landwein, den der Advokat unter Krächzen in grossenSchlucken wie Wasser trank, ein Gewächs, zu heiss eigentlich,um sich als täglich zweimaliges Tafelgetränk zu empfehlen,
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