von der Balkendecke ein riesiger Kronleuchter, in dem nochReste von Wachskerzen staken, ein unregelmässig ausladendes,in Hörner, Geweihschaufeln und sonstige phantastische Bildun-gen hach allen Seiten endendes Dekorationsstück der Renais-sance.
Die Besucher lobten die Abtsstube aufrichtig. Schildknappmeinte sogar mit nachdenklichem Kopfnicken, dass man sich hierniederlassen, hier leben sollte, aber Frau Schweigestill hatteZweifel, ob es für einen Schriftsteller nicht zu einsam seinwürde, zu fern von Leben und Kultur. Auch die Treppe hinauf,in den Oberstock, führte sie ihre Gäste, um ihnen ein paar vonden zahlreichen Schlafzimmern zu zeigen, die sich dort in demgeweissten, moderig riechenden Korridor an einander reihten.Sie waren mit Bettstellen -und Kästen im Geschmack des buntenSpindes im Saal ausgestattet, und nur in einigen war aufgebet-tet: turmhoch nach Bauerngeschmack, mit plustrigen Federdeck-betten. Wieviele Schlafzimmer! sagten die beiden. Ja, diestünden meistens fast alle leer, erwiderte die Wirtin. Vor-übergehend nur sei eines oder das andere bewohnt gewesen.
Zwei Jahre lang, noch bis vorigen Herbst, habe eine Baroninvon Handschuchsheim hier gelebt und sei durch das Haus gewan-delt, eine Dame, deren Gedanken, wie Prau Schweigestill sichausdrückte, nicht recht mit denen der übrigen Welt hättenübereinstimmen wollen, und die vor dieser Unstimmigkeit hierSchutz gesucht habe. Sie selbst sei recht gut mit ihr ausge-nommen, habe sich gern mit ihr unterhalten, und manchmal seies ihr gelungen, sie über ihre abweichenden Ideen selbst zumLachen zu bringen. Aber leider seien diese doch eben wederzu beseitigen noch im Wachstum aufzuhalten gewesen, sodassman die liebe Baronin schliesslich in sachgemässe Pflege habegeben müssen.
Hiervon erzählte Prau Schweigestill schon beim Wiederzu-rücklegen der Treppe und während man auf den Hof hinaustrat
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