um auch in die Ställe noch einen Blick zu tun. Ein andermal,sagte sie, noch früher, sei eines der vielen Schlafzimmervon einem Präulein der besten Gesellschaftskreise besetztgewesen, die hier ihr Kind zur Welt gebrac&t habe, - da siemit Künstlern rede, könne sie ja die Dinge, wenn auch nichtdie Personen, bei Kamen nennen. Der Vater des Präuleinshabe dem hohen Richterstande angehört, droben in Bayreuth,und habe sich ein elektrisches Automobil angeschafft, dassei der Anfang aller Heimsuchung gewesen. Denn auch einenChauffeur habe er dazu gemietet, der ihn zu Amte habe fahrenmüssen, und dieser junge Mann, garnichts Besonders, nur gera-de schmuck in seiner litzen-Livree, habe es dem Präulein biszur Selbstvergessenheit angethan. Sie habe ein Kind von ihmempfangen, und wie das klar und deutlich geworden sei, habees Ausbrüche von Wut und Verzweiflung, von Händeringen -undHaareraufen, von Pluch, Jammer und Schimpf bei den Elterngegeben, wie man es garnicht für möglich halten sollte.Verständnis habe da eben nicht obgewaltet, weder ländlichesnoch künstlerisches, sondern nur wilde stadtbürgerliche Angstum die Gesellschaftsehre, und das Präulein habe sich ganzrichtig vor ihren Eltern am Boden gewunden, flehend und schluch-zend unter ihren verfluchenden Päusten, und sei schliesslichgleichzeitig mit ihrer Mutter ohnmächtig geworden. Der Ge-richtspräsident aber habe sich eines Tages hier eingefundenund mit ihr, Prau Schweigestill, geredet: ein kleiner Mannmit grauem Spitzbart und goldener Brille, von Gram ganz nie-dergebeugt. Sie hätten es abgeredet, dass das Präulein hierin der Stille niederkommen und danach, immer unter dem Vor-wände der Blutarmut, noch eine Zeit hier verbringen sollte.
Hnd als der kleine hohe Beamte sich schon zum Gehen gewandthatte, sei er noch einmal umgekehrt und habe ihr, Tränen hin-ter seinen goldgerahmten Gläsern, nochmals die Hand gedrücktfflit den Worten: "Ich danke Ihnen, liebe Prau, für Ihr wohl-
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