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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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schaft, sondern legte Wert darauf, sich als Haustochter inder Wirtschaft zu betätigen, las aber fiel, schrieb ausser-ordentlich wohlstilisierte Briefe "nach Hause", in die Ver-gangenheit, an ihre Pensionsvorsteherin, an ehemalige Freun-dinnen und dichtete unter der Hand. Ihre Schwester liess micheines Tages ein Poem von ihr betitelt "Der Bergmann", sehen,dessen erste Strophe mir gegenwärtig ist. Sie lautete:

"Ich bin ein Bergmann in der Seele SchachtUnd steige still und furchtlos dunkelwärtsUnd seh* des Leidens kostbar EdelerzMit scheuem Schimmer leuchten durch die Nacht."

Ich habe das Weitere vergessen. Nur die Schlusszeile istmir noch geblieben:

"Und nie verlang' ich mehr empor zum Glück."

Soviel für jetzt von den Töchtern, zu denen Adrian in haus-genössisch freundschaftliche Beziehungen trat. Sie schätz-ten ihn nämlich beide und beeinflussten auch ihre Mutter da-hin, ihn wert zu halten, obgleich sie ihn wenig künstlerischfand. Die Gäste des Hauses angehend, so mochte es so sein,dass eine wechselnde Auswahl von ihnen, darunter auch Adrianoder, wie es hiess, "unser Mieter, Herr Dr. Leverkühn", schonzum Abendessen in den mit einem für den Raum viel zu monumen-talen und überreich geschnitzten Eichenbuffet geschmücktenSpeisezimmer der Roddes gebeten waren; die anderen fanden sichum 9 Uhr oder später zum Musizieren, Theetrinken und Plaudernein. Es waren Kollegen und Kolleginnen Clarissas, ein oderder andere feurige junge Mann mit Zungen-R und Fräulein mitgut vornsitzenden Stimmen; sodann ein Ehepaar Knöterich, -der Mann, Konrad Knöterich, autochthon münchnerisch, dem An-sehen nach einem alten Germanen, Sugambier oder Ubier gleich -es fehlte nur obenauf der gedrehte Haarschopf -, von unbe-stimmt künstlerischer Beschäftigung - er wäre wohl eigentlichMaler gewesen, dilettierte aber im Instrumentenbau und

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