pflichtungsv ollen Haushalt vorgestanden. Nach dem Tode ihresGatten (dessen ernstes Porträt, im Amtsornat, ebenfalls denSalon schmückte), bei stark herabgesetzten Verhältnissenund wohl nicht ganz zu bewahrender Stellung in dem gewohn-ten Milieu, waren Wünsche einer unerschöpfton und wahrschein-lich nie recht befriedigten Lebenslust in ihr frei geworden,die auf ein interessanteres Nachspiel ihres Lebens in mensch-lich wärmerer Sphäre abgezielt hatten. Ihre Gesellschaftengab sie, so wollte sie es wahrhaben, im Interesse ihrer Töch-ter, vorwiegend aber doch, wie ziemlich deutlich war, um selbstzu geniessen und sich den Hof machen zu lassen. Man unter- 'hielt sie am besten durch kleine, nicht zu weitgehende Schlüpf-rigkeiten, Anspielungen auf die gemütlich-unbedenklichen Sit-ten der Kunststadt, Anekdoten von Kellnerinnen, Modellen,
Malern, die ihr ein hohes und zierlich-sinnliches Lachen beigeschlossenem Munde entlockten.
Augenscheinlich liebten ihre Töchter, Ines und Glarissa,dies Lachen nicht; sie tauschten kalt missbilligende Blickedabei, die alle Reizbarkeit erwachsener Kinder gegen dasUnerledigt -Menschliche im Wesen der Mutter erkennen liessen.Dabei war wenigstens im Palle der Jüngeren, Clarissas, dieEntwurzelung aus dem Bürgerlichen bewusst, gewollt und betont.Die hochgewachsene Blondine mit dem grossen, kosmetisch ge-weissten Gesicht, der gerundeten Unterlippe und dem wenigentwickelten Kinn bereitete sich auf die dramatische Lauf-bahn vor und nahm Unterricht bei dem Heldenvater des Hof- undNationaltheaters. Sie trug ihr goldgelbes Haar in gewagterFrisur unter Hüten von Radgrösse und liebte exzentrische Fe-derboas. Übrigens ertrug ihre imposante Gestalt diese Dingesehr wohl und absorbierte ihre Auffälligkeit. Eine Neigung2um Skurril-Makabren belustigte die ihr huldigende Herren-welt. Ihr gehörte ein schwefelgelber Kater namens Isaak, densie Trauer tragen liess um den verstorbenen Pabst, indem sie
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